brach vier Wochen nach den Juliereignissen in Parisder offene Aufstand in Brüssel ans. Als königliche Aug. 1830Trappen die Stadt besetzen wollten, wurden sie in vier-tägigem blutigem Straßenkampf zurückgetrieben. Einbelgischer Na ti 011 a 1 kongre ß trat zusammen, derdas Land für u n a b hängig erklärte und den PrinzenL e o p o 1 d von Koburg zum König wählte. Wilhelm I.suchte, heimlich von Rußland, Österreich und Preußenermutigt, auch .jetzt noch das abgefallene Land mit Ge-walt zu unterwerfen. I)a traten ihm aber Frankreich undEngland entgegen und zwangen ihn, Belgien in Ruhe zulassen.
4. N a c li w i r k u n g e n d e r ,J u 1 i r e v o 1 u t i o nim übrigen E u r o p a. — Auch im übrigen Europahatte die .Julirevolution eine Reihe von Erschütterungenim Gefolge. In der Schweiz mußten die aristokratischen 1830/41Kantonsverfassungen demokratischen Platz machen. InEngland setzten die Freisinnigen eine volkstümlichereWahlart des Parlamentes und die Aufhebung der 183.3Sklaverei in allen britischen Kolonien durch. DieSpanier und Portugiesen erzwangen sich Verfassungen, durch die das absolute Königtum in ein be-schränktes, konstitutionelles verwandelt wurde. InDeutschland und Italien entstanden ebenfallsFnruhen, die jedoch unter Metternichs Einfluß bald er-stickt wurden. Auch die unglücklichen Polen erhoben 1830/31noch einmal einen Verzweiflungskampf gegen die russi-sche Tyrannei, erlagen aber wiederum der Übermachtund sanken nur noch tiefer in Knechtschaft. Allein, wennauch die Reaktion diesmal noch an manchen Orten sieg-reich blieb, immer gewaltiger ging durch alle Lande derRuf nach Erweiterung der Volksrechte, nach einemfreien, öffentlichen Leben. Neben dem Streben nach Frei-heit bewegte indes ein anderer Gedanke die Völker nichtminder mächtig, derjenige, daß die Staaten nicht nachder Willkür der Großen zugeschnitten werden, sondernauf der natürlichen Grundlage der Nationen beruhen