358
Aber sie verlor in redseligen Verhandlungen kostbareZeit. Insbesondere erregte die Frage, wem die Kaiser-würde zukommen sollte, heftige Kämpfe. Die einsich-tigsten Mitglieder hatten längst erkannt, daß das neue a.
Kaisertum nur dann kein machtloses Schattenkaisertumsein werde, wenn es mit der Krone einer der beiden Groß-mächte erblich verbunden werde, daß sich aber der Königvon Preußen nie dem Kaiser von Österreich wirklichunterordnen werde oder umgekehrt. Daher entschiedensie sich für ein engeres Deutschland unter P r e u-ßens Führung. Das größtenteils nichtdeutsche Öster-reich sollte aus dem Reiche völlig ausscheiden, aber mitihm gute Freundschaft pflegen. Diese Ansicht erlangteim Parlamente den Sieg, und König Friedrich Wil-helm IV. wurde zum erblichen Kaiser gewählt.
Die meisten deutschen Fürsten erklärten ihre Zustim-mung. Aber Friedrich Wilhelm IV. selber verschmähtein seinem Hasse gegen alles, was mit der Revolution zu-sammenhing, die ihm dargebotene Kaiserkrone als einen <*».
Reif „aus Dreck und Letten“ und weigerte sich, die Reichs-verfassung anzuerkennen. Damit war dem Werk desFrankfurter Parlamentes der Todesstoß versetzt. Hoff-nungslos ging der größte Teil der Versammlung ausein -
1849 ander; den Rest, der nach Stuttgart übersiedelte, ließ derKönig von Württemberg auseinandertreiben. Volksauf-stände, die sich nach dem Scheitern der Reichsverfassungzur Errichtung von Republiken in S a c h s e n, in derRheinpfalz und in Baden erhoben, wurden durchpreußische Bajonette in blutigen Kämpfen erstickt undmit zahlreichen Hinrichtungen und Einkerkerungen be-straft. Noch machte Friedrich Wilhelm IV. von sich auseinen Versuch, einen deutschen Bundesstaat unter preu-ßischer Führung zu begründen. Als aber das inzwischen
1850 wieder erstarkte Österreich mit Krieg drohte, wich erzurück und ließ seine Pläne fallen. Der zum Gespött ge-wordene deutsche Bund von 1815 trat wieder ins Leben,und das einzige Bemühen der deutschen Regierungen