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teils deutsche Bevölkerung hatten, wider deren Willensich gänzlich einzuverleiben. Darob geriet die öffentlicheMeinung in Deutschland in gewaltige Aufregung. Preußennahm sich der Schleswig-Holsteiner an, und Österreichhielt es für geraten, sich ihm anzuschließen, um sein Vor-gehen zu überwachen. Beide Mächte richteten an Däne-mark die Aufforderung, den Herzogtümern ihre alte Stel-lung zurückzugeben, und setzten, als es sich weigerte,ihre Heere in Bewegung. Nach hartnäckiger Gegenwehr 1864mußten die Dänen auf ihre Inseln zurückweichen und imFrieden von Wien die Herzogtümer an die beiden Mächteabtreten. Zunächst teilten sich diese vorläufig in dieBeute, so daß Preußen Schleswig und Österreich Holsteinbesetzte. Letzteres gedachte, nach dem Wunsch der Schles-wig-Holsteiner aus den Herzogtümern einen neuen, unterseinem Einfluß stehenden deutschen Kleinstaat unterdem Prinzen von Augustenbing zu schaffen. Bis-marck aber war entschlossen, die zwischen zwei Meerentrefflich gelegenen Lande für Preußen zu behalten und,da sich das preußische Heer im dänischen Kriege trefflichbewährt hatte, zugleich den Kampf mit Österreich umdie Hegemonie in Deutschland auszufechten.
2. Der deutsch- österreichische Krieg(14. Juni bis 2. August 1866). —: Von beiden Seiten begannendie Rüstungen. Preußen schloß ein Bündnis mit Italienund wußte sich auch die Höfe in Petersburg und Parisgünstig zu stimmen, so daß es von seiten dieser Mächtekeine Hindernisse für seine Pläne zu fürchten brauchte.
Anfangs Juni 1866 gab Österreich das Zeichen zum Bruche Juni 1866durch die Erklärung, daß es die Entscheidung über dasGeschick Schleswig-Holsteins dem deutschen Bundestag,d. h. den von ihm mehr oder weniger abhängigen kleinerndeutschen Pürsten überlasse. Sofort erwiderte Preußen,daß der Teilungsvertrag damit gebrochen sei, und ließseine Truppen in Holstein einrücken. Zugleich veröffent-lichte Bismarck den Plan zu einer Neugestaltung Deutsch-lands mit Ausschluß Österreichs. Aber obschon der preu-