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rück und besetzte Frankfurt. So konnte Österreichvon seinen süddeutschen Verbündeten auf keine Hilfehoffen und hat daher, als die Spitzen der preußischen Ar-meen schon vor den Toren Wiens erschienen, um einenWaffenstillstand, dem bald der Friede zu Prag nach- Aug. 1866folgte. Gewaltig waren die Ergebnisse dieses sieben-wöchentlichen Krieges. Österreich schiedaus dem deutschen Bunde aus und trat seinenMitbesitz au Schleswig-Holstein an Preußen ab. Diesesschlug auch Hannover, Hessen -Kassel, Nassauund die Reichsstadt Frankfurt unmittelbar zu seinemGebiete. Die übrigen deutschen Kleinstaaten nördlichvom Main vereinigte es mit sich zu einem festen Bundes-staate unter dem Titel eines norddeutschen Bun-des, in welchem der preußische König die Stelle desBundespräsidiums und Bundesfeldherrn einnahm. Diesüddeutschen Staaten blieben auf das drohende Ver-langen Napoleons III. einstweilen von diesem Bunde aus-geschlossen, wurden aber durch geheime Schutz- undTrutzbündnisse aufs engste mit Preußen verkettet.
3. Der Ausgleich mit Ungarn (1867). — Öster-reich aber gereichte sein Unglück in Italien und Deutsch-land insofern zum Heile, als Kaiser Franz Josephdadurch bewogen wurde, auf die Wünsche seiner Völkermehr Rücksicht zu nehmen. Schon 1861 hatte er demReiche eine Verfassung gegeben, die in Österreich die 1861konstitutionelle Staatsform einführte. Da jedoch die Un-garn sich damit nicht zufrieden gaben und ihre alte For-derung auf Selbständigkeit erneuerten, so entschloß ersich, 1867 die Monarchie in zwei Hälften, eine ö s t e r-r e i c h i s c h e und eine ungarische zu teilen, deren 1867jede ihre besondere Regierung und ihr besonderes Parla-ment erhielt. Doch hatten beide Reichshälften außer derPerson des Monarchen auch Minister für die Leitung deräußern Politik und des Kriegswesens gemeinsam, so daßdas Reich nach außen nach wie vor ein Ganzes bildete.