368
4. Der Sklavenkrieg in Nordamerika (1861bis 1865). — Während in Europa so große Umwälzungensich vollzogen, war auch jenseits des Ozeans ein Riesen-kampf ausgefocliten worden, in dem es sich um Sein oderNichtsein der mächtigsten Republik der Erde handelte.Seit dem Unabhängigkeitskriege waren die Vereinig-ten Staaten von Nordamerika im Schirm ihrerfreien Verfassung in beispielloser Weise aufgeblüht. Auffriedlichen und kriegerischen Wegen hatte die Union allesGebiet bis zum Stillen Ozean an sich gebracht und bildetenun ein Reich, das an Ausdehnung Europa beinahe gleichkam. Im Innern aber wurden stets neue Gebietebesiedelt und angebaut. Städte und Eisenbahnen schossenwie Pilze hervor, Land- und Bergbau, Industrie, Handelund Schiffahrt waren im mächtigsten Aufschwung be-griffen. Aber mit diesem riesenhaften Wachstum hieltauch die Ausdehnung der Negersklaverei, des Erb-übels der neuen Welt, Schritt. Je mehr indes diese inden südlichen Staaten überhand nahm, desto mehrregte sich in den N ordstaaten, wo sie sich nie rechthatte einbürgern können, die Überzeugung von ihrer Ver-werflichkeit, Die Union schied sich in zwei Lager, unddie Wahl des Advokaten Abraham Lincoln, einesentschiedenen Gegners der Sklaverei, zum Bundespräsi-denten gab die Losung zum Bürgerkrieg. Die Sklaven-1861 Staaten im Süden sagten sich 1861 offen von der Unionlos, schlossen einen Sonderbund unter sich undwählten einen eigenen Präsidenten. Allein der trefflicheLincoln erklärte die Union für unauflöslich und griff, daalle Versöhnungsversuche fruchtlos blieben, zu denWaffen. Der Süden hatte jedoch für den Abfall alles aufssorgfältigste vorbereitet und zählte geschickte Feldherrnin seiner Mitte, so daß sich der Krieg jahrelang hinzog.Endlich, nach mancher blutigen Schlacht führten die1865 Generäle des Nordens, Grant und Sherma n, 1865 dentödlichen Stoß gegen den Sonderbund und schmettertenihn zu Boden. Über eine halbe Million Menschenleben