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-war eine Weile die Rede davon, die Krone Spaniens,wo die Bourbonen durch eine Revolution vorübergehendvertrieben worden waren, einem entfernten Verwandtendes Königs von Preußen zu geben. Auf die EinspracheFrankreichs trat indes derselbe sofort freiwillig von jederBewerbung zurück. Damit nicht zufrieden, verlangte diefranzösische Regierung von König Wilhelm ein be-stimmtes Versprechen, daß er niemals seine Einwilligunggeben werde, falls sein Verwandter wieder für den spani-schen Thron in Vorschlag gebracht würde. Als der König 10. Julidiese Zumutung ablehnte, wurde an Preußen der Krieg 1^70erklärt. Dabei hegte Napoleon III. die trügerische Hoff-nung, Süddeutschland werde sich aus Rache für die 186(5erlittenen Niederlagen auf seine Seite stellen. Allein imSüden wie im Norden hatte man seitdem die Überzeugunggewonnen, daß Preußen der Hort des neuen Deutschlandsei. Das ganze deutsche Volk flammte in gerechtem Zornegegen die frevelhafte Art auf, wie ihm der Krieg auf-gezwungen wurde, und diese Stimmung machte jedemSchwanken der Fürsten ein Ende. Und während man sichöstlich vom Rhein längst auf diesen Fall sorgfältig vor-bereitet hatte, zeigte es sich, daß Frankreich infolge derliederlichen, ungetreuen Verwaltung der napoleonischenBeamten zu einem so ungeheuren Kriege gar nicht ge-rüstet war. So blieb der Ausgang nicht lange zweifelhaft.
Durch siegreiche Kämpfe bei Weißenburg, Wörth 1/6. Auund Spicheren an der elsässisch-lothringischen Grenzebahnte sich eine halbe Million deutscher Krieger, unterder Führung König Wilhelms und seines General-stabschefs M o 11 k e im August 1870 den Weg nach Frank-reich hinein. Der genialen Kriegskunst Moltkes, der aus-nehmenden Tüchtigkeit der deutschen Truppen und ihrerFührer gelang es, Mitte August der französischen Haupt-armee unter dem Marschall B a z a i n e durch die furcht-baren Schlachten bei Mars-la-Tour und Grave- if>./is.iw1 o 11 e den Rückzug abzuschneiden und sie in der FestungMetz einzuschließen. Als der Marschall M a c M a h o n