168
Mittlere Geschichte, Erste Periode.
keinen geschlossenen Stand mit besonderen Vorrechten bilden.Kampflustige Freie schliefsen sieh als Gefolge, zur Treue ver-pflichtet, an hervorragende Edle an.
Gröfsere Kriege führen zur Ausbildung des Königtums, welcheswährend der Völkerwanderung bei den meisten germanischenVölkern durchdringt. Nach vielen Grenzkriegen mit den Römernam Rhein und an der Donau
375. Anfang der Völkerwanderung.
Die Hunnen (ein mongolischer Volksstamm)
werfen sich, nachdem sie nicht lange zuvor üher die Wolga ge-gangen sind, mit den von ihnen besiegten und zur Heerfolge ge-zwungenen Alanen und Ostgoten (König der letzteren JSrmanarichoder Hermanricli , aus dem Geschlecht der Amaler) auf dieWestgoten.
Die heidnisch bleibenden Westgoten werfen sich in die Kar-pathen, die christlichen 1 und die das Christentum (Arianismus)jetzt annehmenden, .denen auch ostgotische Scharen folgen, er-halten vom Kaiser Valens Sitze in Mösien und Thracien zugesichert.Streitigkeiten mit den römischen Beamten nach dem Übergangeüher die Donau ( "Fritigern, Fürst der Westgoten) führen zum Kampf,die Goten dringen das Land verwüstend vor.
378. Schlacht bei Adrianopel. Valens besiegt u. getötet.
Sein Nachfolger Theodosius schliefst Frieden mitden Westgoten, welche gegen Sold .und Wohnsitze in Mösienund Thracien als Foederati die Grenze des römischen Reichesschützen sollen.
Alarich, Heerkönig der Westgoten, aus dem Geschlechte derFallhen (d. h. der Kühnen), verwüstet, da Arcadius den Soldnicht zahlt, Macedonien, Illyrien und Griechenland (395) unddringt bis in die Peloponnes vor. Stilico, magister utriusquemilitiae des weströmischen Reiches (s. S. 166), kommt dem ost-römischen zu Hülfe, schliefst die Westgoten bei Korinth ein,läfst sie aber (absichtlich?) entkommen. Alarich geht nach Illyrienund erzwingt seine Ernennung durch den Hof in Byzanz zumFux von Illyricum orientale.
401. Alarichs erster Einfall in Italien. Naeh einem Siege beiAquileia überschreitet er den Po. Stilico rückt ihmaus Rätien entgegen.
1 Ein „gotischer Bischof“ (Theophilus) nimmt schon teil andem Konzil zu Nicaea (325). - Wulfila (Ulfilas) führte als west-gotischer Bischof 348 eine christliche Gotenschar über die Donauund übersetzte in römischem Schutz die Bibel ins Gotische (t 381).