Italien. 229
(1355 hingerichtet), bewirken die Einsetzung des mächtigen Ratesder Zehn. Seit 1454 die 3 furchtbaren Staatsinquisitoren.
Genua, seit Wiederherstellung des griechischen Kaisertumsim Orient, sowie durch den endlichen Sieg über Pisa (1284)mächtig (Sardinien, Corsica, Elba), durch die Kriege mit Venedigund innere Unruhen geschwächt; seit 1396 bald von Frankreich,bald von Mailand abhängig.
In Florenz gelangt nach langen inneren Kämpfen und nach-dem seit 1282 Demokratie und Tyrannis abwechselnd den Staatbeherrscht hatten, um 1400 das Geschlecht der Medici zu fürst-licher Stellung und der Staat zur höchsten Blüte. Johann vonMedici, reicher Banquier, Begründer der Macht des Hauses. SeinSohn Cosimo (Cosinus), der Vater des Vaterlandes (t 1464), Be-schützer der Künste (Brunelleschi, Ghiberti, Donatello u. a.),Begründer der mediceischen Bibliothek. Unter dessen EnkelLorenzo (il Magnifico, f 1492) die glänzendste Zeit für Florenz. —Entfaltung der italienischen Litteratur durch die drei florentini-schen Dichter jDante Alighieri (t 1321), Petrarca (f 1374), Boc-caccio (f 1375). Von Petrarca besonders angeregt entwickelt sichdas erneute Studium der Wissenschaft und Poesie des Altertums(Humanismus ), gefördert durch griechische Gelehrte, die aus dembyzantinischen Reiche vor den Türken geflohen waren. Handin Hand damit geht der Aufschwung der bildenden Kunst (Re-naissance) zuerst in Florenz, dann in Rom.
Kirchenstaat, durch die Schenkungen Pippins und Karls desGrofsen begründet (s. S. 177 f ), im 12. Jahrhundert durch dieErbschaft der Markgräfin Mathilde von Tuscien (s. S. 190) undandre Erwerbungen vergröfsert, seit Innocenz III. vom deutschenReich völlig unabhängig. Papst Bonifacius VIII. (1294—1303)im Streit mit Philipp IV. von Frankreich (s. S. 225). Sein Nach-folger Clemens V. (ein Franzose) verlegt den päpstlichen Sitznach Avignon. Residenz der Päpste in Avignon 1309 —1376.In Rom der phantastische Tribun Cola Rienzi (1347j als' päpst-licher Senator 1354). — Comtat Venaissin im 13. Jahrh., Avignonim 14. von den Päpsten als Eigentum erworben. Herstellungder Einheit der Kirche durch das Konzil zu Konstanz (S. 223).Papst Nikolaus V. (f 1455) begründet die vatikanische Bibliothek.
In Neapel Haus Anjou bis 1435. Sicilien 1282—1295 mitAragon verbunden (S. 211), dann unter einer Nebenlinie desaragonesisehen Hauses, seit 1409 wieder bei Aragon, dessen KönigAlfons V. 1435 auch Neapel erobert. Glänzende Hofhaltung,Pflege des Humanismus (Laurentius Valla). Nach Alfons’ Tode(1458) kommt Neapel ohne Sicilien an seinen natürlichen SohnFerdinand I. und dessen Nachkommen, gegen welche Karl VIII.von Frankreich (S. 228) die Ansprüche des Hauses Anjou geltendzu machen versucht.