Der germanische Bolkscharakter.
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Von Toten wie zu Ehren der Götter uralt. Das Mundschenkenamt wird imHause der Vornehmen auch früh ein ständiges und wichtiges gewesen sein.
Friedliche Sitten beförderte jenes Leben nicht, zumal der Germanean sich öfter ein zänkisches Wesen zeigt, und die rohen und brutalen, oftblutigen Szenen, die sich in der Trunkenheit ereigneten und von denenTacitus schon Kenntnis hat, konnten den Eindruck des Wilden, den diekultivierten Südländer vom Germanen hatten, nur noch steigern. Der-selbe zügellose, leidenschaftliche Drang wie beim Trinken und im Lärmder Gelage zeigt sich beim Spiel. Dieser Mangel an Selbstbeherrschungfindet sich übrigens auch wieder bei anderen Völkern. Gerade für die Fol-gen der Spielleidenschaft (Verspielen der Gattin, des Sohnes) kann manz. B. auf eine charakteristische Stelle im Rigveda oder auf den alles ver-spielenden Judhischthira im 2. Buch des Mahäbhärata verweisen. Sowar es auch bei den Germanen. Alle Habe, selbst die Frau, Freiheit undLeben mochte einer, wie Tacitus berichtet, verspielen.
Aber zu all solchen Zügen gibt es nun ganz entgegengesetzte,die scheinbar unmöglich mit jenen zu vereinigen sind. Ein Zug zunächst,der mit den: leidenschaftlichen, jähen, drängenden Wesen des Germanenbesonders zu kontrastieren scheint, ist freilich richtig zu bewerten: diegermanische Trägheit, das vielberufene Liegen auf der Bärenhaut.Gerade dieser Kontrast fiel zwar schon dem Tacitus auf: „wunderbarerZwiespalt der Natur, daß ein und dieselben Menschen so die Trägheit(inertia) lieben und die Ruhe hassen." Indessen ist doch dieser Gegen-satz psychologisch nicht so wunderbar, und ähnliche Erscheinungen findensich bei Naturvölkern überhaupt, die in dieser Beziehung die Extremelieben und oft aus wilder Bewegtheit in starre Ruhe verfallen. Es hängtdas ferner mit der Einschätzung und Verteilung der friedlichen Arbeit zu-sammen: die Abwendung des Mannes von derselben beruht nicht aufFaulheit, sondern auf bestimmten Anschauungen. Man arbeitet, d. h.erwirbt seinen Unterhalt immer nur, soweit es die Notdurft gebietet.Niemals ist aber die Faulheit ein germanisches Ideal gewesen. Fried-liche Arbeit ist eben keine würdige männliche Arbeit: die Trägheit, dieTacitus tadelt, ergibt sich nur aus dem zeitweiligen Mangel an einerwürdigen Tätigkeit. Zu ihr hatte der Germane immer Lust und kanntedann kein Ruhebedürfnis. Überdies zeigen gerade explosive NaturenPerioden der Reaktion. — Wirkliche Kontraste mit dem wilden, un-gebändigten Wesen ergeben sich vielmehr aus anderen Zügen, aus einergewissen Weichheit, Innerlichkeit und sittlichen Haltung. Nebenanscheinender Grausamkeit, neben hartem Sinn und Brutalität findetsich starke Gutmütigkeit, z. B. den Unfreien gegenüber, die man mildebehandelt, zur Familie rechnet, gegen die nran die Macht nie mißbraucht.Meist wachsen der freie Knabe und das freie Mädchen mit den Kindernvon Unsteten in voller Gemeinschaft auf. Auch diese gute Behandlungvon Sklaven ist ein Charakteristikum früher Kulturstufen, erklärlich^aus