Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Karl Lamprecht.

ein waren die meisten Städte von kleinerem Umfang gewesen; im Westenvielfach von den Mauern der einstigen aus einem Lager erwachsenenRömerstadt umschlossen, im Osten auf beschränktem Raume neu begrün-det, waren sie kaum mehr als größere Burgen; der neue Stand der Be-wohner führt ja eine gerade an diese Verhältnisse anknüpfende Be-zeichnung. Da war denn dieser eng begrenzte Raun: fast allein derSchauplatz emsigen industriellen Schaffens und ausgebreiteter Verkehrs-tätigkeit gewesen. Aber um dieses Zentrum, die spätere Altstadt, lagertesich schon sehr früh in weitem Kreise der Grundbesitz religiöser Genossen-schaften; nicht selten waren es über ein halbes Dutzend Stifter undKlöster, dazu wohl ein Bischofssitz, die mit ihrem Grundeigen das Stadt-zentrum umfaßten und teilweise durchsetzten. Als nun der Aufschwungstädtischen Lebens mit dem 12. und 13. Jahrhundert begann, da wurdendie alten Mauern zerstört, überall begannen Stadterweiterungen, undmeistens erwuchs die neue Befestigung jenseits jener geistlichen Bezirke.Die ländliche Bevölkerung ward so in die Stadt gezogen; es dauertelange, ehe sie von Lebensgewohnheit und alter Beschäftigung abließ,ja sie war stark genug, jenseits der neuen Mauern neue Komplexe vonObstgärten und Gemüseanlagen erstehen zu lassen. Freilich schließlichfüllte sich auch der einst von Gartenkultur bedeckte Raum zwischen denStadtmauern und dein Zentrum mit neuen Straßen, und wiederumbegann ein Ausbau vor den Toren. Aber die Anregung zu ihm gingnicht mehr von den alten geistlichen Grundherrschaften aus: sie warenlängst verfallen: vielmehr waren es jetzt die Verkehrsinteressen der Stadtselbst, die hier eine neue Bevölkerung schufen. Bor den Toren, namentlichim Angesicht einer verkehrsreichen Brücke, dehnten sich wohl Vorstädtein langen Straßenzeilen aus mit niedrigen Häusern, mit teilweis un-ständiger Bevölkerung von halb ländlichen, halb städtischen Interessen,die vielfach in einer besonderen Ortsgemeindeverfassung zum Ausdruckkamen. Es waren nicht gerade die angenehmsten Teile städtischer An-siedlungen; hier lebte der Kleinhandel in seiner niedrigsten Gestalt unddas Pfandgeschäft, hier priesen sich Kartenschlägerinnen und weise Frauenan, hierhin waren die mit dem Stadtausbau aus den alten Spelunkenan der Stadtmauer vertriebenen Stromer und Zuhälter, die Wegenerund Lastermäuler gezogen, hier saß in den Städten mit großer Tuch-manufaktur die Masse der proletarischen Weber.

Es war der Abhub der Einwohner, der hier verkehrte, seine Aus-sonderung im Verlaufe des 14. Jahrhunderts weist darauf hin, daß seitdieser Zeit von einem gewissen Abschluß in dem Entwicklungsgang derstädtischen Bevölkerung gesprochen werden darf.

II. Höhe und wirtschaftliche Kraft der Bevölkerung.

Übersieht man die Standorte der einzelnen bürgerlichen Geschäfts-kreise in der Stadt in ihrer geschichtlichen Entwicklung wie lokalen Ver-