Städtisches Dasein im späteren Mittelalter.
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teilung, so wird es begreiflich, wie schwer es ist, bei dem Mangel aus-reichender statistischer Überlieferungen zu einem einigermaßen sichernResultat über die Höhe der mittelalterlichen Stadtbevölkerungen zu ge-langen.
Dazu war die Bevölkerung wenigstens in den ersten Zeiten desspäteren Mittelalters noch sehr unstet und flüssig. Die Sterblichkeit warungemein groß, auch dann, wenn die häufigen Epidemien nicht ein-wirkten; die Bevölkerung bedurfte ständiger Ergänzung von außen her;in Frankfurt betrug der Jahreszuwachs der Bürgerschaft durch Fremdenoch gegen Schluß des Mittelalters das Doppelte der Ergänzung auseigenen Kräften. Noch mehr war der Großkaufmann der ältesten Zeitvon vornherein ebenso häufig zugewandert wie einheimisch; das frühesteMitgliederverzeichnis der Kölner Kaufmannsgilde weist Namen aus fastaller: dainals wichtigen Städten auf. Schon dieser bedeutende Zuzug,wie er bis tief ins 14. Jahrhundert andauerte, mußte zu starken Fluktua-tionen führen; verwandte Erscheinungen in den modernen Großstädtenmachen das wenigstens sehr wahrscheinlich. Weiterhin aber war das sta-tistische Verhältnis der Geschlechter zueinander, wenigstens, wenn wirvon der Geistlichkeit absehen, in den Städten des Mittelalters ganz an-ders als heutzutage; fast durchweg überwogen die Frauen bedeutend:nie ist die Frauenfrage brennender gewesen als in den Städten des14. und 15. Jahrhunderts. Es gab Frauenzünfte; das breite Feld derchristlichen Armen- und Krankenpflege fiel den Frauen in genossen-schaftlichem Verbände und in Anlehnung an die Kirche fast allein zu; esgab Frauenversorgungsanstalten; sogar den gefallenen Frauen wurdeim Sinne christlicher Liebe durch besondere Organisationen geholfen.Diese weit fortgeschrittene praktische Lösung der Frauenfrage beweistein numerisches Verhältnis der Geschlechter, das von unseren Ver-hältnissen wesentlich abwich.
Und wie war diese ihrer Zusammensetzung und Vermehrung nachbislang noch so wenig bekannte Bevölkerung angesiedelt? Auch hierlassen die bisher zusammengestellten Daten im Stich. Noch in der erstenHälfte des 14. Jahrhunderts galt wohl der Grundsatz des Familienhauses;aber wie lange blieb er erhalten? und verteilten sich die Häuser nicht ganzungleichmäßig auf die vorhandene Grundfläche? und schwankte nichtdie Zahl der Personen auch in den Familienhäusern um ein Beträcht-liches nach Zeit und Ort?*) Man sieht, eine Abschätzung der Bevölke-rung mittelalterlicher Städte nach der Häuserzahl kann nur zu sehr un-sichern Daten führen, ebenso eine Abschätzung nach irgend einer be-völkerungsstatistischen Ziffer, etwa der Geburtenziffer. Am sicherstenscheint noch eine Durcharbeitung der Steuerlisten zu bleiben, wo diese
*) In Köln kamen 1752 je 6 Personen auf ein Haus und dementsprechendnoch eine Person auf etwa 50 gw, im Jahre 1883 waren die entsprechendenZiffern 14 Personen und etwa 27 ym. Köln und seine Bauten (1888) S. 164.
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