Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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W. Oncken.

ihn auf Polen und England hinzulenken, ab. In der Tat, viel um-sichtiger, als Fuchs meinte, hatte der Kurfürst sich die Bedingungen desGelingens zurechtgelegt. Ausdrücklich glaubte der Minister ihn warnenzu müssen vor der Abhängigkeit, in die er sich gegenüber dem Kaiserbegebe, wenn er sich durch ihn zum König ernennen lasse; besser wärees, er würde durch seine Untertanen zum König erwählt und dann vomKaiser als König anerkannt. Daran hatte der Kurfürst auch gedacht,aber eine Vorkehrung getroffen, die dem Minister nicht eingefallenwar, indem er die „Dignität" nicht auf seine Reichslande als Kurfürstgründete, sondern auf sein Herzogtum Preußen, als souveräner Herzog.

Die Entscheidung konnte nur der kaiserliche Hof in Wien geben,und hier ereignete sich nun Anfang 1700 ein ganz unerwarteter Zwi-schenfall, der über die größte Schwierigkeit hinweghalf. Am 18. Ja-nuar 1700 war Bartholdi auf seinen Posten nach Wien zurückgekehrt undhatte gleich aus seiner ersten Unterredung mit dem Minister GrasenKaunitz den ganz bestimmten Eindruck gewonnen, daß der persönlicheWiderwille des Kaisers Leopold gegen die Krönung eines ketzerischenKurfürsten nach wie vor die eigentliche Klippe der ganzen Frage sei.Der Graf Kaunitz weigerte sich, die Krönung des Kurfürsten beim Kaiseranzuregen, und schlug vor, daß Bartholdi selber mit diesem Anwurf be-auftragt würde. Darüber berichtete Bartholdi an: 24. Januar und3. Februar 1700 dem Kurfürsten in einer Zifferndepesche mit den Wor-ten: „Das Beste wäre, Ew. Kurs. Durchlaucht ließe durch 161 (Bar-tholdi) an 110 (den Kaiser) den Antrag auf Erhebung zum König richten."Der Kurfürst las die Depesche selbst; im Entziffern der nötigen Sicher-heit entbehrend, verwechselte er die Ziffern 161, welche Bartholdi be-deutete, mit der Ziffer 160, welche „Pater Wolf" bedeutete, und schriebaugenblicklich an den Pater, dem die Anrufung des Kurfürsten vor-kam, wie eine Stimme von oben. Der Beichtvater des Kaisers war ernicht, obgleich das oft gesagt worden ist, aber sein Vertrauensmannwar'er mehr als irgend ein Minister; sein Begleiter auf Reisen, seinOrakel in allen weltlichen und geistlichen Dingen, der einzige Mensch,der das Ohr des Kaisers hatte, so oft er es haben wollte. Um die großespanische Erbschaft zu behaupten, die er für das Kaiserhaus erwartete,brauchte dieses nach seiner Überzeugung Waffenmacht und Geldhilfedes Hauses Brandenburg, den Glaubensunterschied aber betrachteteer nicht als ein bleibendes Hindernis der Eintracht beider Höfe, denner plante eine Heirat des künftigen Königs von Preußen mit einer Erz-herzogin, die ihren Gemahl zur alleinseligmachenden Kirche bekehrensollte. Mit Hilfe des Paters Wolf erlangte Bartholdi am 10. Mai eineerste Konferenz mit dem Grafen Kaunitz und Harrach, der an: 16. Junieine zweite folgte. Mehr als durch diese beiden Konferenzen kam manvorwärts durch die Gewißheit, daß Frankreich und die beiden See-mächte am 25. März einen Vertrag über Teilung der spanischen Erb-