Die Erwerbung der preußischen Königskrone durch Friedrich III. 133
schaft geschlossen und am 4. Juli den Kurfürsten von Brandenburg zumBeitritt eingeladen hatten. Demselben Vertrag bis zum 18. August bei-zutreten, wurde auch der Kaiser aufgefordert, und der Beschluß, diesenBeitritt zu verweigern, war nun gleichbedeutend mit dem, sich denKurfürsten von Brandenburg zu gewinnen, indem man ihm die Königs-krone zugestand. Das war beschlossen von der Staatskonferenz am 2. Juliund an: 7. Juli vorn Pater Wolf dem Kurfürsten mit vorläufigem Glück-wunsch angekündigt. Am 27. Juli sprach sich die große Staatskonferenzsämtlicher Minister mit allen Stimmen grundsätzlich für die Erhebungdes Kurfürsten zum König in Preußen aus. Gleichwohl kam der „Kron-Traktat" nicht vor dem 16. November 1700 zum Abschluß, in welchemder kaiserliche Hof sich mit den Gegenbedingungen zufrieden gab, die derkünftige König von Preußen nach langen peinlichen Verhandlungenzugestand. Die Erneuerung des Bündnisses von 1686, welche in den bei-den Eingangsartikeln des öffentlichen Vertrages ausgemacht war, ver-lor alle Bedenken, als im dritten Nebenartikel die durch die goldeneBulle verbürgte Wahlfreiheit der Kurfürsten von neuem eingeschärftward, und als der endgültig geschlagene Teil kam sich der Kaiser vor,als er mit seiner immer wiederholten Forderung der freien Ansiedlungder katholischen Religion in Berlin bis aus Ende einem und demselbenunerschütterlichen Nein begegnete.
Der Pater Wolf aber blieb in seiner Rolle, als er am 17. Novem-ber 1700 an den Kurfürsten überglücklich schrieb: „Ich erstumme voninniglicher Freude, daß nunmehro der Traktat wegen der vor I. K. D.mit höchster Billig- und Gerechtigkeit gesuchten königlichen Würde zueinem so glücklichen Ende geraten. Sage also mit inbrünstig-demütigstemzu Gott, mit treugehorsamstem Herzen zu Jhro Durchlaucht: 1s äeuinlauäamus."
Am 24. November kam der Eilbote mit dein Vertrag in Berlin an.Am 17. Dezember 1700 reiste der Hof nach Königsberg ab. Mitten imWinter ging's über Schnee und Eis. Zwölf Tage dauerte die Fahrt;die Hofgesellschaft war in vier Gruppen geteilt, und 30000 Pferde warennötig für den Pferdewechsel an den Vorspannstellen. Am 29. Dezembertraf der Kurfürst in Königsberg ein, und alsbald setzte er auf den 18. Ja-nuar 1701 den Tag der Krönung fest, deren Vorbereitung von nunan sofort seine ganze Tätigkeit gewidmet war. Die Festlichkeiten be-gannen am 15. Januar, die der Oberzeremonienmeister Joh. von Besserin einem besonderen Werke mit der ganzen Sachkunde des Fachmannsbeschrieben hat. Vier Wappenherolde erschienen in den Straßen Königs-bergs und verkündeten, daß das souveräne Herzogtum Preußen alsKönigtum aufgerichtet sei zugunsten des Großmächtigsten FürstenFriedrich I., Königs in Preußen. Das Volk klatschte Beifall, die Ka-none donnerte, und Polen, die zufällig hinzukamen, glaubten, ganzKönigsberg sei verrückt geworden. Am 17. wurde der neue Ritterorden