Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Würdigung König Friedrich Wilhelms 1.

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Haupt. Seine Organisationstätigkeit steht ohnegleichen in der preußi-schen Geschichte da. Hierin war er seinem so sehr viel größeren Sohneweit überlegen. Es sind weniger die Formen an sich, in die er den Be-amtenstaat goß, wodurch er sich verdient machte; seine Genialität ausdiesem Felde bekundete sich vielmehr noch durch den eigentümlichenGeist, den er diesem Organismus einzuhauchen wußte. Er hat, wieder Historiker Krauske hervorhebt, das größte psychologisch-sittliche Kunst-werk fertig gebracht, den Egoismus einer ganzen Klasse von Menschenrichtig einzufangen und einzuspannen für höhere Zwecke und in ihnendurch Schule, Erziehung, Laufbahn, Bildung, durch die geistig mora-lische Atmosphäre, in die sie gesetzt waren, weitsichtige höhere Interessenzur Reife zu bringen. Seit dem Wirken König Friedrich Wilhelms I.ist der preußische Beamtenstand durch und durch verwachsen mit demWohl und Wehe des Staates. Diese Beamten fühlten sich ebenso wieder auch von Friedrich Wilhelm geschaffene Offiziersstand über denProvinzen- und Interessengruppen stehend und stellten sich größten-teils mit geradezu heiligem Eifer in den Dienst des Gemeinwohls. Aberdies konnte nur erreicht werden vermöge einer fast übermenschlichenArbeit und eines Bevormundungssystems, das an den Geist des mittel-alterlichen Lehnsstaates erinnert. Die Beamten lebten fast alle in Furchtund Zittern vor der rauhen Strenge ihres Herrn, der immer geneigtwar, mit einem Donnerwetter dazwischenzufahren und dem es nieschnell genug mit der Arbeit gehen konnte. Sein cito, oitissims ausden Akten war wohl geeignet, auch herzhafte Gemüter in eine gelindeNervosität zu versetzen. Wie er den Dienst verstand, das zeigt eine Äuße-rung von ihm, die fiel, als sich jemand gegen eine Versetzung sträubte,weil ihm das Klima seines Bestimmungsortes nicht zuträglich dünkte:„Man muß dem Herrn mit Leib und Leben, mit Hab und Gut, mit Ehrund Gewissen dienen und alles daransetzen als die Seligkeit, aber allesdas ander muß mein sein." Das will heißen, der König verlangte schran-kenlose Hingabe an das Ganze mit allen Kräften Leibes und der Seele.Seinem geliebten Leopold von Dessau aber gestand der rastlose Mo-narch: „Parole auf dieser Welt ist nichts als Unruhe und Arbeit und woman nicht selber, mit Permission zu sagen — die Nase in allen Dreckselber steckt, so gehet die Sache nicht, wie es gehen soll." Er konntesich gar nicht genug tun, und so klagte er denn gelegentlich mit köstlicherNaivität: „Gott weiß, daß ich gar zu tianguill bin; wenn ich mehr chole-risch wäre, ich glaube, es würde besser sein. Aber Gott will es nichthaben."

Nirgends tritt seine Grundanschauung deutlicher zutage als injenem Testament von 1722, das als eine Unterweisung für den Kron-prinzen für den Fall des Ablebens Friedrich Wilhelms gedacht war.Gleichsam in der Form eines Gebetes legte der König darin' vor Gottund seinem Sohne Rechenschaft über sich und seine Regierung ab.