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Hermann v. PeterSdorff.
Nichts band er seinem Sohne so auf die Seele als das Heer, genau so,wie er es siebzehn Jahre später in der Todesstunde wiederum getanhat. Er drohte ihm mit der Entziehung seines Segens, wenn er auchnur den geringsten Abstrich von diesem Heere machen würde. „Und gebeEuch den Fluch, den Gott dem König Pharao gegeben hat, daß es Euchso gehe wie Absalon." An einer anderen Stelle hieß es: „Die Euchdie Wahrheit sagen, das sind Eure Freunde," ein Wort, das von derLebenserfahrung des damals erst vierunddreißigjährigen Königs Zeug-nis ablegt. „Arbeiten müßt Ihr, so wie Ich beständig getan; ein Re-gent, der mit Honneur in die Welt regieren will, muß sein Affairenalles selber tun; denn die Regenten sind zur Arbeit erkoren und nichtzum faulen Weiberleben." Das war der Grundgedanke seiner Regierung.Sodann folgten einzelne Verwaltungsmaximen. Zunächst ein Kardinal-satz des Merkantilsystems, das drüben in Frankreich von Colbert begrün-det, inzwischen aber wieder verlassen worden war, um nunmehr inPreußen erst recht praktisch durchgeführt zu werden: „Wenn das Landgut peuplieret ist, das ist der rechte Reichtum." Im weiteren entwickelteer ebenfalls als Anwalt des Merkantilismus die Vorzüge einer Gewerbe-politik. „Ligo Manufakturen im Lande ein recht Bergwerk geheißenwerden kann." „Ein Land sonder Manufakturen ist ein menschlicherKörper sonder Leben." Offen räumte er dem Sohne ein, daß ihm dieJustizorganisation nicht geglückt sei, und bezeichnete schon damals Coc-ceji als zum Präsidenten geeignet. Mit gerechtem Stolze rief er aus:„Ist gewiß ein recht Meisterstück, daß in neun Jahren ich die Affairen,alles wieder in so gute Ordnung und Verfassung gebracht." Zu anderenZeiten hatte er wohl auch Stunden des Kleinmuts, und es wollte ihmso scheinen, als wenn er seine ganze Zeit nutzlos verloren hätte. Soschrieb er am 14. Juli 1727 dem Dessauer: „Daß es mir so nahe gehet,in die 14 Jahr nichts gemacht zu haben, und alle meine Mühe, Sorge,Fleiß und Geld alles umsonst ist... Wenn die vierzehn Jahr wiederzurück hätte! ä la bonns bsure! aber diese sein fort, ohne etwas zu tun."
Diese kleinmütigen Stimmungen sind im wesentlichen auf Rech-nung seiner Mißerfolge in der auswärtigen Politik zu setzen. Denndiese bildet die Kehrseite der sonst so ruhmvollen Regierung FriedrichWilhelms. Sein Kindergemüt, sein gerader, offener Sinn und seinepuritanische Frömmigkeit paßten schlecht zu der verlogenen, schuftigenWelt, die ihn umgab, und da ihm nicht durchaus die Gabe verliehenwar, einen Standpunkt über diesen Dingen zu gewinnen, so konnte esnicht ausbleiben, daß er ihnen unterlag und oft ein Spielball in denHänden der ihm entgegenstehenden Elemente und ihrer Werkzeugewurde...
Friedrich Wilhelm hat zwei Erwerbungen an Land für seinen Staatgemacht. Die wichtigste war die von Stettin mit Vorpommern biszur Peene durch den Stockholmer Frieden im Jahre 1720. Eine andere