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Reinhold Koser.
war „das ganze Rondell und die Wilhelmstraße gedrückt voll Menschen,alle Fenster voll, alle Häupter entblößt;" und doch war nichts geschehen,so sagt einer aus der Schar dieser ehrfurchtsvollen Tausende: „Nur eindreiundsiebzigjähriger alter Mann, schlecht gekleidet, staubbedeckt, kehrtevon seinem mühsamen Tagewerke zurück; aber jedermann wußte, daßdieser Alte auch für ihn arbeite, daß er sein ganzes Leben an diese Arbeitgesetzt und sie seit 45 Jahren auch nicht einen Tag versäumt hatte."
Hören wir nochmals einen Fremden, den Franzosen de Laveaux,der ... Jahre in Berlin gelebt hat: „Sein Brauch, alle Eingaben derUntertanen zu lesen, mußte dem König unendliche Mühe und Überdrußverursachen, aber er unterrichtete sich dadurch über alles, was vorging,und hielt alle seine Minister und Beamten in einer viel stärkeren Furcht,als sie der blinde Despotismus, der aus Laune Köpfe springen läßt, ein-flößen kann. Wenn ein Minister einen zu hohen Ton gegen einen Bauernanschlug, setzte der Bauer den Hut auf den Kopf und sagte: Ich gehezum König! und diese Freiheit, dem Könige alles zu sagen, erleichtertescheinbar die Last, die man für diesen König trug." Dazu kam, daß dieSpenden aus jenem großen Dispositionsfonds, den Friedrich für außer-ordentliche Ausgaben bereit hatte, unmittelbar als Wohltaten aus dereigenen Hand des Königs empfunden wurden. Die weise Verteilungseiner Wohltaten, sagt derselbe Berichterstatter, „sicherte ihm Seg-nungen und Liebe in allen Provinzen seines Staates, in allen Verhält-nissen, in allen Städten, in allen Dörfern und Weilern. Alles, was inPreußen atmete, hing sozusagen unmittelbar von ihm ab."
Wir begleiten den alten König auf seiner letzten Dienstreise am18. August 1785 nach Hirschberg. Viele Tausende erwarten ihn seitStunden, aus der ganzen Gegend zusammengeströmt. Ein Augenzeugeerzählt: „Man las auf allen Gesichtern, daß man etwas Großes mitFreuden erwarte. Endlich kam er, der Einzige, und aller Augen warenmit dem sprechendsten Ausdruck von Ehrfurcht und Liebe auf ihn gerichtet.Ich kann die Empfindungen nicht beschreiben, die sich meiner und ge-wiß eines jeden bemächtigten, als ich ihn sah, den Greis, in der schwachenHand den Hut, im großen Auge freundlichen Vaterblick auf die unzähligeMenge, die seinen Wagen umgab und stromweise begleitete.... Alle,die das Glück traf, ihn zu sprechen, waren über die väterliche Milde desgroßen Königs außerordentlich gerührt. Der ganze Tag war für die Stadtein Festtag, und man sprach von nichts, als daß der König so freundlichgewesen wäre und auf die Menge so mit Wohlgefallen geblickt hätte." Hierwar es, daß er den Dank einer Abordnung Greiffenberger Bürger fürein Gnadengeschenk zum Wiederaufbau ihrer abgebrannten Häuser„sichtlich gerührt" mit den Worten ablehnte: „Sie haben nicht Ursach,sich ^deswegen bei mir zu bedanken, es ist meine Schuldigkeit, dafürbin ich.da." _