Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Wilhelm Wiegand.

Unermeßlich ist die Spannweite seiner Wirkung in der deutschenGeschichte. Was Friedrich für Preußen insbesondere bedeutet, ist oftgesagt worden. Das Beste und das Tiefste bleibt doch die „unzerstörbareinnere Kraft, die unsterbliche Seele," die er seinem Staate trotz seinerkünstlichen Schöpfung einzuhauchen gewußt hat.

„Keine Macht Und keine Zeit zerstückeltGeprägte Form, die lebend sich entwickelt."

Mit dem ungeheuren Gewicht, das Preußen auf die Gestaltung derdeutschen Geschicke seit der Errichtung der brandenburgischen Mark-grafschaft geübt hat, ist Friedrichs Arbeit aufs engste verbunden. Nurfür seinen Staat gedacht und geleistet, ist sie für das größere Vaterland,für die deutsche Nation von entscheidendem Einfluß geworden. Fürihren Drang nach Macht und Größe ist nichts bezeichnender, wie längstbemerkt worden ist, als daß dem ganz auf die Innerlichkeit gestellten, imReich der Ideale heimischen Geiste des deutschen Volkes diese ihm inmanchem so fremde, klare, scharfe Herrschergestalt innig vertraut, zumMittelpunkt der politischen Gedanken und Hoffnungen werden konnte.In allen bedeutsamen Augenblicken unserer neuesten Geschichte tritt sieführend und wegweisend voran, wird Friedrichs Andenken als einetröstende, erhebende Macht heraufbeschworen, in der Stunde der Volks-erhebung von 1813 wie in der Siegeswoche von 1866. Und wenn inden Zeiten der Stille der Schwabe Pfizer das Problem des deutschenStaates formulierte, seine Lösung suchte, so rief er des Königs Geistzu Hilfe:

„Adler Friedrichs des Großen, "gleich der Sonne decke duDie Verlasj'nen, Heimatlosen mit der goldnen Schwinge zu."

Aber erst mußten sich die von den Hohenzollern gegossenen Formendes Staatswesens mit dem Geiste unserer klassischen Literatur, unsererwissenschaftlichen Bildung erfüllen, mußten diese beiden größten Mächteunseres nationalen Lebens ihren Frieden und ihr Bündnis schließen,ehe wir wieder ein Volk werden konnten. Noch ein gewaltiger Bildnermußte über sie kommen, ehe aus jenen Formen das neue Deutsche Reichentstand. Wenn der Patriot wünscht, daß über dem jungen aufstrebendenStaate der Geist Friedrichs walte, so ist das nicht im Sinne des moder-nen Modephilosophen die „Skepsis der verwegenen Männlichkeit" mitihrem erobernden und zerstörenden Zuge, sondern es sirid die aufbauen-den und erhaltenden Eigenschaften des großen Königs: seine weitschau-ende Umsicht, seine kluge Wachsamkeit, seine maßvolle Besonnenheit,seine Standhaftigkeit und seine Pflichttreue bis zum letzten Atemzüge.