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Athen, wie einst Sokrates, des Atheismus angeklagt. Er entwich nachChalkis auf Euböa, damit die Athener, wie er sagte, sich nicht noch einmalan der Philosophie versündigen könnten. Dort ist er bald danach gestorben.
Die Schriftstellerei des Aristoteles war nach Umfang und In-halt unendlich reich; die Erhaltung derselben aber hat besser für dieWürdigung seiner wissenschaftlichen als für die seiner literarischen Ver-dienste gesorgt. Denn die populären Dialoge seiner Frühzeit (die sog.exoterischen Schriften), die in künstlerischer Form seine Lehren weiterenKreisen zugänglich machten, wurden später in seiner Schule gering ge-achtet und sind verloren gegangen. Die streng wissenschaftlichen (eso-terischen) Werke aber, die lange Zeit fast verschollen waren, dann aberum so eifriger abgeschrieben wurden, sind, soweit sie überhaupt vonAristoteles selbst herrühren, von ihm großenteils nicht zur Herausgabevorbereitet worden und deshalb Torsi. Neben sorgfältig ausgearbeitetenStücken und Schriften stehen Entwürfe, Kolleghefte und bloße Stoff-sammlungen. Umfangreiche Zusätze und Wiederholungen machen sichstörend bemerklich; manche Bücher der einzelnen Werke scheinen selb-ständig gedacht zu sein, und ihre uns vorliegende Anordnung ist bis-weilen eher als Unordnung zu bezeichnen. Es fehlt der harmonischeZusammenhang von Form und Inhalt, der bei Platon den Leser ent-zückt. Die nüchterne Sachlichkeit der Darstellung, welche uns dafür dieerste Terminologie der Wissenschaft geschaffen hat, schließt den Schmuckder Rede aus. Der bündige Stil strebt nach gedrängter Kürze, die oftzu Dunkelheit führt. Die Sprache entfernt sich bereits merklich vornattischen Griechisch.
Eine Aufzählung seiner Werke wäre zwecklos; nur die Gebiete,welche sie umfassen, seien kurz angegeben, um zu zeigen, wie Erstaun-liches der eine Mann geleistet hat. Seine analytischen und dialektischenSchriften, unter denen sich die Topik, die Lehre von den dialektischenSchlüssen, durch sorgfältige Ausarbeitung auszeichnet, haben die Grund-sätze der formalen Logik ein für allemal festgestellt. Man vereinigte siespäter zum „Organon", weil sie das notwendige „Rüstzeug" zu philo-sophischer Forschung bieten. In der ebenfalls vorzüglich geschriebenenund mit treffenden Beispielen ausgestatteten Rhetorik — Demostheneskommt freilich seltsamerweise nur dreimal darin vor — brachte er dieseallbegehrte Kunst in ein strenges System. Der Philosophie selbst gehörtdie Metaphysik an, die ihren Namen dem zufälligen Umstände ver-dankt, daß man sie „nach der Physik" einordnete; ferner das Buch überdie Seele und die Ethik, die uns in drei verschiedenen Bearbeitungenvorliegt. Auf der Sittenlehre baut sich die Lehre vom Staate in derberühmten Politik auf (s. u.). Außer dieser grundlegenden systematischenBehandlung gab es eine Sammlung von 158 Monographien, welchedie Verfassungen einzelner Städte schilderten. Die wertvollste derselben,die Verfassung der Athener, ist vor zwei Jahrzehnten aus einem