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ägyptischen Grabe wieder ans Licht gekommen und hat uns ganz un-erwartete geschichtliche Aufschlüsse gebracht. Sie ist zweckmäßig undvorbildlich nach zwei Gesichtspunkten gegliedert: zuerst wird das Werdendes Staates, die Verfassungsgeschichte, behandelt, dann folgt eine ein-gehende Darstellung der zur Zeit bestehenden Staatseinrichtungen. —Wahrhaft schöpferisch erwies sich Aristoteles auf dem Gebiete der Natur-wissenschaften. Neben der Physik und Mechanik steht die von zahl-reichen Einzelabhandlungen umgebene Tierkunde, durch die er zumBegründer der Zoologie geworden ist. Die wiederholt in Aussicht ge-stellte Botauik überließ er seinem Schüler Theophrast zur Bearbeitung.— Endlich hat Aristoteles auch in der literarhistorischen Forschungseiner Schule kräftige Anregung und meisterhafte Vorbilder gegeben.Er hat nicht nur urkundliches Material gewissenhaft gesammelt, sondernauch aus verständnisvoller Durchdringung des reichen Stoffes, der nochvollständig vor ihm lag, die allgemeinen Gesetze dichterischen Schaffensscharfsinnig abgeleitet. Verloren ist der Dialog über die Dichter, erhaltenaber, wenigstens in dem Teil über die Tragödie, das kostbare Büchleinder Poetik, dessen inhaltsschwere Sätze — man denke z. B. an die heiß-umstrittene Definition der Tragödie mit der tragischen Katharsis! —so viele Jahrhunderte hindurch, bald befreiend, bald fesselnd, auf diedichterische Tätigkeit und die Kritik eingewirkt haben.
Die Forschung nach den letzten Ursachen alles Seins führt Aristo-teles zu einer Kritik der Platonischen Jdeenlehre. Auch er erkennt denIdeen oder Urformen (wie er sie nennt) wirkliches Dasein zu, aber ersucht sie nicht in einer überirdischen, transzendenten Welt, aus der keingangbarer Weg zur Wirklichkeit herabführt, sondern sie existieren in denDingen und Wesen selbst, sind ihnen immanent. Der formlose und daherder Erkenntnis verschlossene Stoff ist bildsam und besitzt die Fähigkeit,alles zu werden (Potenzialität), wie im Marmorblock die Statue, oderauch im Knaben der Mann bereits schlummert. Wird nun im Stoff diebildende Form wirksam, so erhält er Gestalt und Bewegung und ge-langt zur Verwirklichung (Aktualität) und zur Zweckerfüllung (Entelechie).Das Einzelding ist vergänglich, Stoff nnd Form aber ewig, ebenso dieBewegung, welche, vom Umschwung der Weltkörper ausgehend, allesineinander arbeitet. Der Ursprung dieser Bewegung liegt in der Gott-heit, die, selbst unbeweglich, in allen: ein Streben, ihr ähnlich zu werden,erweckt. Gott ist stoffloser Geist. Kein Schaffen, Erhalten und Regierender Welt stört die erhabene Ruhe seines seligen Lebens, welches ganzdem reinen Denken über sich selbst gewidmet ist — das echte Philosophen-ideal, aber auch nur dies! Denn kein Weg führt von der Erde, vonder Menschheit zu der schwindelnden Höhe empor, auf der diese Gott-heit thront.
Gott ist zugleich der höchste Zweck aller Dinge, die, vom Unvoll-kommenen zum Vollkommeneren ansteigend, eine geordnete Stufen-
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