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leiter von Zwecken verwirklichen. Auf ihrer Höhe steht, abgesehen vonden beseelten Gestirnen, die der Gottheit am nächsten sind, die mensch-liche Seele, weil ihr allein neben den niederen Seelenkräften undTrieben die denkende und schaffende Vernunft innewohnt; daher dennauch dieser Teil der Seele allein unsterblich ist. Die tugendhafteTätigkeit der Seele, welche das vornehmste Erfordernis der Glück-seligkeit ist, beruht nicht allein auf dem sokratischen Wissen von derTugend, sondern auch auf der dauernden Gewöhnung des Willens,das Gute zu tun. Denn „die Einsicht allein setzt nichts in Bewegung".Gewiß ist die richtige Einsicht unerläßlich und stellt Aristoteles deshalbdie reingeistigen (dianoetischen) Tugenden (z. B. Vernunft, Wissen,Einsicht, die nach unseren Begriffen überhaupt nicht zu den Tugendenzählen) am höchsten; bei den Aufgaben des Lebens aber, über welche keinStreben nach Platonischen Idealen hinausweist, kommen vorwiegenddie praktischen (ethischen) Tugenden zur Geltung. Jede dieser Tugenden,die mit feiner Beobachtung geschildert und geschieden werden, bezeichnetdie Mitte zwischen zwei einander entgegengesetzten Untugenden, wiez. B. die Tapferkeit in der Mitte zwischen Feigheit und Tollkühnheit,die Sparsamkeit zwischen Geiz und Verschwendung steht. Denn nichtauf dem Besitze der Tugend, sondern auf ihrer Betätigung beruht dieGlückseligkeit. Das reinste, vollkommenste und allein beständige Glück aberfindet Aristoteles in dem kontemplativen Leben des Denkersund Forschers.
Die praktische Verwirklichung des sittlich guten Lebens kann sichjedoch nur in der Gemeinschaft (und zwar am vollendetsten in der vonAristoteles hochgepriesenen Freundschaft zwischen Guten) vollziehen;denn „der Mensch ist von Natur ein Gesellschaftswesen (^yE -roUnxäv)".Die umfassendste Gemeinschaft aber ist der Staat. Dem ^RealistenAristoteles lag es fern, unter Verwerfung des Bestehenden einen uto-pistischen Jdealstaat zu errichten, und den des Platon hat er scharf undtreffend kritisiert. Selbst die Frage nach der absolut besten unter denvorhandenen Staatsformen tritt zurück hinter dem wichtigeren Gesichts-punkt, welche den jeweils gegebenen Verhältnissen am besten entspricht.Dabei wird die Abschwächung allzu schroffer Gegensätze und das Einhaltender rechten Mitte immer wieder empfohlen. Meisterhaft zeichnet undbeurteilt Aristoteles die Entwicklungsgeschichte des griechischen Staats-lebens in seinen drei Hauptformen, Königtum, Aristokratie und Demo-kratie, und ihren Entartungen, Tyrannis, Oligarchie und Pöbelherrschaft,ferner die verschiedenen Gefahren, die den Bestand der einzelnen Ver-fassungsformen bedrohen, und die Maßnahmen, durch die man diesenGefahren begegnen kann. Aber über die Anschauungen des „leicht über-sehbaren" hellenischen Stadtstaates wagt auch der Mann, der unter derHand seines Schülers das größte Weltreich entstehen sah, nicht hinaus-zugehen; selbst die nationalen Ziele und Bedürfnisse der Gesamthellenenberücksichtigt er nicht. Bei der Behandlung der sozialen und^ wirtschaft-