Band 
III. Das Altertum.
Seite
112
JPEG-Download
 

112

trachten zu müssen geglaubt und sich wieder hingelegt. Nun sei ihm der-selbe Freund, als er wieder eingeschlafen, zum zweiten Male erschienenund habe ihn gebeten, er möge wenigstens seinen Tod nicht ungerächtlassen, da er ihm im Leben nicht zu Hilfe gekommen sei; der Wirt habeihn wirklich ermordet, auf einen Wagen geworfen und mit Mist zugedeckt;er bitte ihn nun, frühmorgens am Tore sich einzufinden, ehe noch einWagen zur Stadt hinausfahre. Dieser zweite Traum habe nun jenenaufmerksam gemacht, er habe in aller Frühe auf den Knecht mit demWagen gewartet und ihn gefragt, was er auf dem Wagen habe. Da seider Mensch erschrocken und davongelaufen, der Leichnam unter demMist hervorgezogen und der Wirt, als die Sache so an den Tag gekommen,bestraft worden.

Ein Gutes aber hatten diese Kneipen denn doch: sie waren billig.Zu Polybios' Zeiten (150 v. Chr.) konnte man in den WirtshäusernOberitaliens Wohnung und Kost für >/? As (— 3 Pf.) haben, ein ander-mal werden für Brot 1 As, für Zukost 2 As, für Heu 2 As berechnet.Der barmherzige Samariter gab dem Wirte 2 Denare, d. h. 20 As, daswar also eine noble Bezahlung.

So war denn also das Reisen selbst für ärmere Leute eine leichteSache. Und die Reiselust, das Reisebedürfnis war groß. Schon diegewöhnliche Unruhe und Hast des hauptstädtischen Lebens, besondersaber auch die üblen gesundheitlichen Verhältnisse Roms trieben viele,sobald es nur die Geschäfte erlaubten, hinaus, um in freier Natur Er-holung zu suchen, aber natürlich womöglich in eigenem Landhausoder in befreundetem Hause, wenn es die Mittel erlaubten, auch iubesseren oder allerbesten Badeorten. Unter ihnen genoß besondersBajä einen Weltruf, aber in gewisser Beziehung keinen feinen.

Dann aber nötigten auch die eigentümlichen Verhältnisse des römi-schen Reiches oftmals zu größeren Reisen. Schon der ungeheure Um-fang des Ländergebietes in Verbindung mit der straffen Zentralisationder Verwaltung führten einen fortwährenden Verkehr zwischen Romund den Provinzen mit Notwendigkeit herbei. Beamte, die sich auf ihrenPosten begaben oder von dort zurückkehrten, waren fortwährend unter-wegs. „Hochgestellte Männer, Senatoren", sagt Epiktet, „können wenigdem Haushalte obliegen, sondern müssen viel reisen, befehlend odergehorchend, in höherem Auftrage, im Kriegsdienste oder behufs derRechtspflege." Die Zahl der Provinzialen, die ihre eigenen Angelegen-heiten, ihre Rechtssachen, ihre Beförderung persönlich betreiben wolltenoder mußten, ist gewiß sehr groß gewesen (so mußte auch der ApostelPaulus eine sehr unwillkommene Reise durch die halbe Welt nach Rommachen). Gesandtschaften aus der ganzen Welt suchten beim Kaiser inRom Audienz nach oder machten auch beim neuen Statthalter in derProvinzialhauptstadt ihre Aufwartung, wie z. B. Herodes Agrippa beiFestus, Apg. 25.