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Auch das militärische Interesse des Weltreichs trug dazu bei,die Landstraßen zu bevölkern. Nur ein Teil der Provinzen war imstande,die für ihre Standlager (Garnisonen) erforderlichen Mannschaften selberzu stellen, deshalb mußten andere mit ihrem Überschuß aushelfen. DieBogenschützen stellte der Osten allein für das ganze Reich. Gebiete, dieerst kürzlich unterworfen oder sonst schwierig waren, belegte man nichtmit einheimischen Truppen. Offiziere wurden überhaupt viel umherge-worfen, nicht nur die höheren, sondern auch die Zenturionen. Die Grab-steine römischer Soldaten, z. B. in Mainz, weisen auf weit entlegeneHeimat, auf Ungarn, Körnten, Steiermark, Tirol, Dalmatien, Rumelien,Syrien, Spanien, Gallien und selbstverständlich auf alle Gaue Italiens,von Piemont bis Neapel. Auch ganze Truppenteile wurden verlegt,z. B. die 22. Legion von Jerusalem an den Rhein, die batavischen Ko-horten an den Mischen Limes (eL8lra,Lg.tLvg.-- Passau), die Mischen anden rheinischen!
Dazu kamen Privatverhältnisse mannigfachster Art. Je längerdas Weltreich bestand, um so mannigfaltiger entwickelten sich die Bezie-hungen. Das Kolonialsystem brachte einen lebhaften Verkehr zwischenMutter- und Tochterstädten und zwischen letzteren selbst mit sich. Judenwaren in allen Teilen des Reiches ansässig und unterhielten Beziehungenmiteinander und mit dem Mutterlande. Die Pfingstversammlung,von der Apg. 2 erzählt, umfaßte Zugereiste aus allen Weltgegenden.Die christlichen Gemeinden von Lyon und Vienne sandten im Jahre 177einen Bericht an ihre Brüder in Asia und Phrygien. Die nationalenFestspiele der Griechen versammelten noch immer große Menschen-massen. Bei den olympischen Spielen kam noch im 2. Jahrhundert n. Chr.fast ganz Griechenland zusammen. Und auch römische Festfeiern wiedie am Tempel der Voltumna oder beim Haine der Feronia sammeltenzahlloses Volk. Dort hielten die fünfzehn Völker Etruriens ihre regel-mäßigen Versammlungen ab, hier die Latiner, Sabeller und Etrusker.
Und nun gar der Handel! So groß auch von Haus aus die Ab-neigung, die Verachtung des Handels war (die lox IMmiM 218 ver-bot ihn wenigstens noch den Senatoren), das natürliche Bedürfnis wargrößer als das Vorurteil. Das römische Reich war das größte Freihandels-gebiet, das je bestanden hat, und gewährte in seinem ganzen Umfangealle Vorteile der Einheit des Rechts, der Münze, der Maße und Ge-wichte (nur Ägypten hatte mit seiner Drachme eine Ausnahmestellung).Auch für Handelsunternehmungen gewährte die Macht und das Ansehendes Weltreichs seinen Angehörigen einen trefflichen Schutz. Der beweg-liche Südländer nutzte diese Vorteile aus, der Welthandel gewann eineBlüte wie nie zuvor und nie nachher. Die Gewinne des römischen Han-dels müssen ungeheuer gewesen sein. Nun war aber der Kaufmann imAltertum viel mehr als jetzt genötigt, einen großen Teil seiner Zeit aufReisen zuzubringen (wie ähnlich ja auch noch im Mittelalter). Eile,
Schmieder, LeUüre III. 8