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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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4. Bilderstürmer und Wiedertäufer. Vom Bauernkriegehatte die Schweiz vorläufig weniger zu leiden als Deutsch-land. Dagegen trieben auch hier, besonders in den östlichenLandesgegenden, die Bilderstürmer und Wiedertäufer ihrUnwesen.

In St. Gallen riß man die Bilder von den Altären,Wänden nnd Sänlender Klosterkirche. Die Altäre wurden zerschlagen,die Bilder mit den Äxten zerhanen oder mit Hämmern zerschmettert.Du hättest gemeint," heißt es in einer urkundlichen Erzählung,es ge-schehe eine Feldschlacht. Welch ein Getümmel war das, welch ein Gelärm,welch ein Tosen in dem hohen Gewölbe! Ja, in einer Stunde war nichtsmehr ganz und unverändert an seinem Ort." Vierzig Wagen voll Bil-der, Reliquien und Altäre wurden an jenem Tage auf den großen freienPlatz der Stadt, den Brühl, geführt und verbrannt.

Die Wiedertäufer ließen sich mit übelverstandenen Schrifttextenbald zu aller Art des Unsinns und der Ausschweifung herbei. So be-kannten sie einander öffentlich die Sünden, weil es in der Schrift heiße:Bekennet einander!" Andere setzten sich auf die Gassen hin, spieltenim Staube, zogen Tannzapfen an Fäden hinter sich her und äfften alleSpiele und Gebärden der Kinder nach, weil geschrieben stünde:So ihreuch nicht den Kindern gleich machet, werdet ihr nicht in das Himmel-reich eingehen." Sie wollten weder huldigen, noch einen Eid ablegen,weil der Heiland gebiete, nur ja und nein zu sagen. Einige verbranntendie Bibel, weil es hieße, daß der Buchstabe töte, der Geist allein lebendigmache.

5. Aer erste Kappekerkrieg. Ohne blutigen Kampf sollte 152 ses- indessen auch in der Schweiz nicht ablaufen. Das gegen-seitige Mißtrauen, das die religiöse Trennung hervorrief,führte bald zu Sonderbündnissen. Zwingli betrachtete denKrieg als das einzige Mittel, seiner Sache zum vollendetenSiege zu verhelfen. Zu diesem Zwecke brachte er ein Bündniszustande zwischen den Orten Zürich, Bern, Basel, Schaffhausen,den schweizerischen Städten Viel und Mühlhausen und derdeutschen Reichsstadt Konstanz. Demchristlichen Bürger-recht", wie die Reformierten das Bündnis nannten, gegenüberverbanden sich die fünf katholischen Orte der Jnnerschweizzuerst mit Freiburg und.Wallis; dann schlössen sie mit Erz-herzog Ferdinand von Österreich, Kaiser Ferdinand I., densog.Waldshutcrbund". So kam es schon 1529 zumersten Kappelerkriege. (Koppel im Knonaueramt an der Grenzezwischen den Kantonen Zürich und Zug.) Wohl gelang es da Land-ammann Äbli von Glarus noch einmal, ohne Blutvergießenden Frieden zu vermitteln. (Kappeler Milchsuppe.) Allein der-