Handel und Gewerbe förderte, Schutzzölle einführte, Straßen baute, denKanal von Languedoc anlegte u. s. m.
Ludwig XIV. war überhaupt eine Herrscheruatur sonder-gleichen. Er hatte einen hohen Wuchs, schöne Gesichtszügeund einen edlen Anstand in der Haltung seines Körpers.Ein süßer Schmcichelton gewann ihm die Herzen, wie dem Alki-biades unter den Griechen. Tausende rühmten sich seinerGnade, kein einziger seines Vertrauens. Er konnte alle umsich fröhlich sehen; von ihm behaupteten die ältesten Höflinge,ein einziges Mal einen Scherz gehört zu haben.
Sogar auswärtige Gelehrte und. Dichter ehrte Ludwig,doch nicht um der Kunst willen, sondern nur, um auch vondiesen gelobt zu werden. So besangen die Gelehrten Italiensjährlich seinen Geburtstag und empfingen dafür seine Gnaden-geschenke^
Versailles, ein einfaches Waldschlößchen seines Vaters in öder, wasser-loser und ungesunder Gegend, schmückte er mit wahrhaft königlicher Prachtaus. Nicht weniger als 900 Millionen Franken verwandte er allein aufdie Bauten von Versailles. Das Schloß enthielt über hundert Säle, ge-ziert mit den kostbarsten Möbeln und mit Gemälden, die Ludwigs Siegeverherrlichten. Zur Erstellung des wunderschönen Parkes ließ Ludwigzehn Dörfer niederreißen. Geradlinige Alleen mit künstlich zugestutztenBäumen, schattige Boskette oder Lnstwäldchen, zierliche Tempelchen, buschigeLauben, lauschte Grotten, kunstvolle Springbrunnen, kleine Seen mitreizenden Juselchen, alles geschmückt mit Statuen, haben die ehemaligeÖde in ein Paradies umgeschaffen. Ludwig XIV. kümmerte sich wenigdarum, daß bei diesen Bauten etwa 30000 Menschen infolge der unge-sunden Lust das Leben verloren. — In diesem feenhaften Schlosse lösteein Fest das andere ab. Alle dienten jedoch nur zur Verherrlichung desKönigs. Er ließ sich sehr gern König „Sonne" nennen. Denn, wie sich allesnur um ihn bewegte, so sollten auch alle ihre Stellung, ihre Freude, ihr einund alles nur ihm zu verdanken haben. Wohin der König schaute, dasah er immer nur sich. Die hohen Wandspiegel, die Gemälde, die Sta-tuen zeigten ihm sein erhabenes Bild. Tausende von Höflingen umgabenihn und suchten, einander in Schmeicheleien gegen den König zu überbieten,die dieser mit herablassender, würdevoller Gnade entgegennahm, als ob sieihm von Rechts wegen gehörten. Man sah da sogar wahrhaft große Männersich in Komplimenten, die uns heutzutage anwidern, förmlich erschöpfenund in demütiger Unterwürfigkeit beinahe ersterben. Als Ludwig einst beimHerzoge von Antin zu Gaste war, äußerte er am Abend, daß ihm diegroße Allee von Bäumen mißfalle, da sie die Aussicht verdecke. Währendder Nacht ließ der Herzog sie umhauen und antwortete am Morgendem erstaunt fragenden König: „Eure Majestät haben sie verdammt,darum stehen sie nicht mehr." Ein anderer ließ sogar einen ganzen Waldansägen und, als der König hier wiederum sein Mißfallen über denselbenäußerte, sogleich fällen. Kaum ein Franzose war noch so mutig und auf-