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richtig wie der Dichter Woileau, der dem König höflich, aber ohne Schmei-chelei die volle Wahrheit zu sagen wagte. Als sich nämlich der Monarcheinst auch in Versen versuchte und jenen um sein Urteil befragte, antworteteer ihm: „Nichts ist Eurer Majestät unmöglich: Sie wollten schlechte Versemachen, und es ist Ihnen vortrefflich gelungen." Auch in der Trachtführte Ludwig XIV. Neuerungen ein. Der kurze Mantel wich dem Frack,das Wams einer langen, mit Borten und Bändern besetzten Weste. DieHose reichte nur bis zum Knie, wo seidene Strümpfe sie ablösten.
Als der König eine Glatze bekam, wurde künstlicher Haarschmuck, diesogenannte Perücke, Mode. Bald wallte ein ganzer Lockenwald über denRücken und die beiden Seiten des glatt rasierten Gesichtes hinunter. Alsman nicht mehr genug blondes Haar zu Perücken herbeischaffen konnte,suchte man dunkles mit Puder, d. i. mit seinem, weißem Mehlstanb zufärben. Die natürliche Gesichtsfarbe konnte man vor roter und weißerSchminke, Schönheitspflästerchen rc. gar nicht mehr erkennen. — Die(Llikette oder Hofsitte schrieb für jede Handlung die Kleidung, Begrüßungund Bewegung aufs genaueste vor. Man kann sich heutzutage von jenerunnatürlichen Steifheit im Umgänge kaum einen Begriff machen. BeimAufstehen des Königs hatten die hohen Adeligen Zutritt zu seinem Schlaf-zimmer. Es war genau bestimmt, wer von ihnen ihm das Waschbecken,das Hemd, das Gebetbuch rc. reichen durfte. Es galt für eine besondereEhre, gegenwärtig sein zu dürfen, wenn sich der König Strümpfe und Schuheanziehen, sich barbieren und die Perücke aufsetzen ließ. Ging der Königzur Messe, so hatte der ganze Hofstaat zu erscheinen, richtete aber seineBlicke in der Kirche nicht nach dem Altar, sondern auf den knienden Mon-archen. Speiste er mittags, wie gewöhnlich, „vom kleinen Couvert", dannmußten sein Bruder, seine Söhne und Enkel ihm stehend zuschauen, wieer sich's wohlschmecken ließ. Monsieur, d. i. sein Bruder, durste ihm vonZeit zu Zeit die Serviette reichen. Abends war große Tafel, wobei jedesGericht in feierlichem Aufznge, geleitet von 11 Hotelmeistern mit weißenStäben in der Hand, aufgetragen wurde. Das Zubettgehen war gleichzeremoniell wie das Aufstehen. Auch die Großen des Reiches veranlaßteLudwig zu kostspieligen Festen, um^ie dadurch zu ruinieren; denn ein einzigesFest kostete oft ein großes Vermögen. Viele hundert Adelige sind auchwirklich verarmt, haben dann aber ein Amt oder eine Pension aus derHand des gnädigen Königs erhalten. Je abhängiger sie aber von diesemwurden, desto tyrannischer wurden sie gegen ihre Untergebenen. Die fran-zösische Etikette verpflanzte sich an alle europäischen Hose, von denen einerden andern in der Nachäfferei zu überbieten suchte.
2. «Ludwigs Kriege. Den Hanpttcil der RegierungLudwigs beanspruchten seine Kriege, deren einziger Zweckwiederum die Vergrößerung seiner Macht und seines Glanzeswar. Bersailles sollte eben in jeder Beziehung der erste Hofder Welt werden.
Die wichtigsten dieser Kriege sind:a.) Aer "Belgische Krieg. (1666—1668.) Belgien gehörte isssdamals noch zu Spanien. Da starb König Philipp IV. von