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3. Ludwigs <Lnde. Ludwig XIV. konnte sich seiner Tri-umphe nicht lange freuen. Schon das folgende Jahr 1715war sein Todesjahr. Trotz seiner Macht und Größe starb erkeineswegs als der Liebling des Volkes. Vielmehr war ervon allen nur gefürchtet, geliebt von niemanden. Auf seinenLeichenwagen sollen sogar Steine geworfen worden sein.
4. AetagerungWiens. Einen gc-wältigen Schand-fleck im Leben Lud-wigs bildet die Un-terstützung, die erden Türken gegendie Christenheit,speziell gegen Leo-pold I. zu teil wer-denließ. Auf seinenAntrieb belagertendiese im Jahre1683 sogar Wien.Nur die Tapfer-keit und der Hel-denmut des Poien-königs JohannSobieski, sowiedes edlen PrinzenEugen von Sa-voyen bewahrtenEuropa vor ihrerKnechtschaft.
Prinz Eugen war von Geburt Franzose, dabei, wie Tilly,klein von Statur und von schmalem Wüchse. Er sollte, wie jener, sichdem geistlichen Stande weihen. Doch, wie Tilly, so erging es auch Eugen.Saion als Knabe hörte er am liebsten von Schlachten und Belagerungenreden. Seine Augen strahlten, wenn die Trompeten schmetterten und dieTrommeln wirbelten, vor innigster Freude. Die Schriftsteller Corneliusund Curtius las er mit dem größten Vergnügen. König Alexander derGroße war sein Liebling in der Geschichte.
Doch war Engen nicht von angenehmem Aeußeren. Sein Gesichtwar entstellt, die Nase ausgestülpt, die Oberlippe zu kurz und aus demMunde traten zwei große weiße Zähne hervor. Ludwig XIV. wolltedarum auch von seinem Dienste nichts wissen. Gekränkt floh deshalb der
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Prinz Eugen.
Reiierbild von Feinkorn. Wien. Phot I. Wlha.
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