81
sandte verlangte Genugtuung; das war wieder umsonst. Dar-auf weigerte er sich, zu Solothurn eine Deputation derKantone vorzulassen, nur, weil Fidel von Thurn mit dabeiwar. So kleinlich konnte man damals werden. Endlichwurde dieser in der Sitzung der Eidgenossen angeklagt: Ersei der Ratgeber und Direktor der kaiserlichen und spanischenMinister, unterhalte mit ihnen und den holländischen Macht-habern gegen Frankreich einen geheimen Briefwechsel, suchedem englischen Gesandten bei den katholischen Kantonen Zu-gang zu verschaffen, habe sich durch gute Aufnahme, gegebenenUnterhalt und ausgewirkten Durchpaß als einen Gönner undFührer der von Frankreich und Picmont vertriebenen Huge-notten gezeigt — und endlich, Fidel von Thnrn habe bei einer vomfranzösischen Botschafter an die Lagsatzung gehaltenen Anredeeine verächtliche Miene gemacht.
Diese Anklage mochte freilich dem Baron eher schmeicheln,als ihn beleidigen. Dennoch verteidigte er sich vor seinenMit-Tagherren aus allen Kräften. Die empfindlichste Antwortaber gab Thurn, indeitz er ruhig fortfuhr, allenthalben dieInteressen Österreichs gegen Frankreich wahrzunehmen, 1690in Lindau den Beratungen beiwohnte, welche die Botschafterder vier Mächte, Österreich, Spanien, England und Hollandüber einen gegen Frankreich zu führenden Krieg hatten, undindem er endlich die Tagsntzung dazu brachte, dem Kaiserdie Anwerbung von zwei Regimentern und den Spanierndie eines dritten zu bewilligen, wovon er drei Kompagnien selberübernahm.
L. Der Kauernkrieg.
-- ( 1653 .)
1. Die Tlrsachm. Noch verderblicher als das Geld warenfür die Schweiz die französischen Grundsätze in Bezug aufdie Macht und Gewalt der Regierungen und desStaates gegenüber den Untertanen und dem ge-meinen Volke geworden. Denn immer mehr setzten sichauch bei uns die Häupter des Staates jenes verhängnisvolle„U'Ltut, e'est moi" Ludwigs XIV. in den Kopf. Immermehr ließen sich auch die schweizerischen Obrigkeiten „hoheund erlauchte Herren" nennen und meinten, daß ihnen iu
Welt- und Schweizergeschichle II. 6