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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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und andererseits sich zugleich die Zufuhr von Salz und Ge-treide von Rorschach her zu sichern, falls ihnen diese überZürich wieder abgeschnitten werden sollte.

Dabei sollten die Toggenburger Frondienste leisten. Dasie aber zum größten Teil protestantisch waren und darummit ihrem Landcsherrn, dem Abte, ohnedies in mancher Fehdelagen und sich über Einschränkung der Freiheit beklagten,verweigerten sie jede Mithilfe zum Baue der Straße. Zu-gleich wandten sie sich an Zürich um Beistand. Dieses säumtenatürlich auch jetzt wieder nicht, sofort das Glück der Waffenzu erproben. So führte die Vorbereitung zum Kriegediesen selbst herbei.

In Wahrheit handelte es sich dabei weder um die Hum-mclwaldstraße, noch um das Toggenburg, sondern der Streitdrehte sich vielmehr, wie einst im alten Griechenland zwischenSparta und Athen, um die Hegemonie im Lande. Die Fragewar: Wer soll künftig in der Schweiz die Oberhand behalten,der Protestantismus mit Zürich an der Spitze, oderder Katholizismus unter dem Vorsitze des Fürstabtesvon St. Gallen? Daher war Auch der ganze Streit sofortwieder nicht allein Sache des Abtes und der Stadt Zürich,sondern zu Zürich hielt wiederum Bern und zum Abte diekatholische Eidgenossenschaft.

Im April 1712 warfen sich die Reformierten des oberenToggenburg auf das untere Land. Sogleich ließen auch Zürichund Bern ins Feld rücken. Am 22. Mai fiel Wil nachdreitägiger Belagerung. Der Abt flüchtete. Das Stift St.Gallen wurde von den Feinden genommen, die dann überRorschach bis ins Nheintal vordrangen.

Ebenso eroberten die Protestanten im Aargau die OrteMellingen, Bremgarten und Baden und besiegtendie Katholiken in der sogen. Stau d en s chl a ch t bei Brem-garten. Darauf wurde zu Aarau ein Friede vereinbart,doch nicht allgemein angenommen. Am 25. Juli kam esabermals zur Schlacht nnd zwar wiederum bei Villmergen.Jetzt wurden die Fünf Orte vollständig geschlagen und mußtenl'jstL. sich zum Frieden von Aarau bequemen. 11712.)

In demselben erhielten Zürich nnd Bern Anteil an dengemeinen Landvogteien der Fünf Orte. Die Herrschaft überdas Toggenburg dagegen wurde an den Abt von St. Gallen