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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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frilchte mißraten waren, den Kartoffelbau zwangsweise in Pommern undSchlesien einführen. In Frankreich griff man, wie EaruS Sterne in seinemBuchSommerblumen" erzählt, zur List. Der Apotheker Parmenner ver-sah große, mit Kartoffeln bestellte Felder mit WarnnngStascln, auf denenjeder mit schwerer Strafe bedroht wurde, der die kostbare Feldfrncht stehle»würde. Was durch freundliches Anraten nicht hatte erreicht werden können,wurde durch diesen Kunstgriff erzielt. 'Der König, die Königin und baldder ganze Hos begannen, die Kartoffelblüte im Knopsloch zu tragen. DerWandSbecker Bot^ sang sein Kartoffellied:

Pasteten hin, Pasteten her,

Was kümmern uns Pasteten?

Die Schüssel ist auch hier nicht leerUnd schmeckt so gut als aus dem MeerDie Austern und Lampreten.

6. Auf die Sitten des Schweizervotkes im allgemeinenwirkten leider immer noch sehr nachteilig die Söldnerdienste;ebenso erzeugten die reichen Pensions- und Jahrgclder einenbcdcnlcndcn Luxus besonders in der Kleidung, so daß dieObrigkeiten diesbezüglich gar oft bis ins kleinste hinein Vor-schriften und Gesetze erlassen mußten. So verfügte Bern imJahre 1l>28:Es soll sich in ginein inenniglich in Klchdnng allerbschcidcnhcit und ehrbarkcit gcbrnchcn; allen Überfluß undunnützen kosten, mit vile und dicke der schnüre ncbcnt ein-nndcrcn ins künfftig myden, und die Wannst, Hosen undErnicl von Tuch, Wullen und dcrglychcn, wie es sich einem jedenin shncm Stand zimpt, also besetzen lassen, daß er darumbunbcslrafft blybcn möge."

Ein Zürcher Siltenmaudat vom 10. Mär; 1755 verordnete unteranderem:daß jeder männiglich sich sorgfältig hüte vor Lästerungder heiligen und hohen Majestät GOtte«, vor Mißbrauch Seineshohe» und theuren Namens, und der hl. Sacramcnten, vor Gottes-verges-seucr Übersetzung des Eids, vor dem je länger je mehr bei Jungen undAlten nberhand nehmenden Fluchen und Schwccren....

Man soll sich die Heiligung des Tags des HErrn eifrig an-gelegen sehn lassen, durch fleißige Besnchnng der Predigten GöttlichenWorts, und der Catechisationcn, insonderheit diese lezterc von erwach-senen Söhnen und Töchtern, auch vor- in- und nach der Predigt, des-gleichen währender Zndienung des Sacraments des hl. TaufS, und Ver-richlung des Gesangs, sich des unanständigen Schwäzen« und nnnöthigenHinanslanscnS unter dem Gesang gänzlich enthalte».

Auch soll niemand wer der ist, ohne erhaltene Erlaubnis... aneinem Sonntag aus der Stadt weder reiten, fahren noch gehen...,wie Wir dann auch alle, so Kutschen, Litticre», oder Schiffe darzu lehne»,zu gleicher Verantwortung zu ziehe» gcsinnct sind ....

. . . Und weilen Wir mir herzlichem Mißfallen verspüren müssen,daß ungeachtet alles ernstlichen VcrwarnenS und ZusprechenS die über-