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sie in blinder Leidenschaft einander unrecht taten, die Stimme der Mäßi-gung erhob. Vielfach verkannt und tief mißstrmmt, zog er sich ins Pri-vatleben zurück.
Da tauchte vor seiner Seele das Bild der versumpften Linthgegendwieder auf. Die Not seines gesamten Vaterlandes zu heilen, war erzu ohnmächtig; aber hier in einer einzelnen Gegend dem Verderben zusteuern, das schien ihm möglich. Er legte der Tagsatzung einen Planzur Rettung vor. Sie ließ ihn Prüfen, erfand ihn als gut und erließzu seiner Unterstützung einen Aufruf an das gesamte Schweizervolk. ImJahr 1807 wurden die Arbeiten begonnen. Der Linth, die damals nochunterhalb des Walensees in die Maag floß, wurde ein Kanal nach demSee gegraben, damit sie in der Tiefe desselben ihr Gestein ablagere.Es war im Mai 1811, als sie in ihrem neuen, festen Bette zum ersten-mal mit rauschenden Wogen und unter dem Zujauchzen der sestfeierudenMenge ihren Weg nach dem See einschlug.
Ein zweiter Kanal wurde gegraben, um den Abfluß des Wollenstesin gerader Linie nach dem Zürichsee zu führen. Hunderte von Arbeiternwaren beschäftigt, und über alle führte Escher die Aufsicht. In Windund Wetter war er draußen, watete im Morast umher und half ordnenund raten. Im Jahr 1822 waren 7000 du Landes den abfließendenWassern entrissen, und glückliche Menschen bewohnten bald wieder, wiein früheren Zeiten, das blühende Gelände. Escher aber, der Begründerund Vollender des Werkes wurde von der dankbaren Tagsatzung mit demBeinamen „von,der Linth" geehrt. (Nach Rüegg.)
Handel und Verkehr wurden erleichtert durch die Anlagemehrerer Alpen str aßen, so über den Bcrnhardin, denSplügcn, den Julier und über den Gotlhard (1818 — 1830).
Einsichtige und opferwillige Männer gründeten dieschweizerische gemeinnützige Gesellschaft und beförder-ten überall die Errichtung von Sparkassen, Irren-, Kranken-und Armenhäusern, Straf- und Besserungsanstalten.
Leider wurde das Land durch unglückliche Natur-ereignisse heimgesucht. Nachdem schon im Jahre 1806 dasschöne Gelände von Goldau durch einen Bergsturz ver-schüttet worden war, wurde auch die Gegend von Martinachdurch eine Überschwemmung der Dranse verwüstet (1818).Endlich wurde die ganze Schweiz durch eine schwere Teuerungheimgesucht. Das Jahr 1816 war sehr regnerisch und kalt,so daß Getreide und Feldfrüchte verdarben. Die reiche Ernteim Herbste 181? machte dann dem Elend ein Ende.
ö. Frankreich.
1. Ludwig xvm. (1813—1824). Am schwersten hieltes in Frankreich, die Ruhe und den Frieden wicdcrherzu«