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stellen. Während die einen die Monarchie zurückverlangten,wie sie vor der Revolution bestanden hatte, suchten die andernfestzuhalten, was ihnen die Revolution unter so vielen Opferngebracht hatte: mehr Rechte und Freiheiten. So wogte da-selbst der Parteikampf bald aufs neue. Ludwig XVIII., dendie Mächte nach der zweiten Einnahme von Paris (1815)wieder eingesetzt hatten, war viel zu schwach, um dieser neuenKluft zu wehren. Auch konnte es Frankreich nicht verschmerzen,daß er durch fremde Hilfe auf den Thron gekommen.
2. Karl X. (1824—1830) Ludwigs Bruder. Karl X., 1824versuchte, seine Herrschaft zu befestigen, indem er die Aufmerk-samkeit der Parteien auf auswärtige Unternehmungen lenkteund dem Nationalstolze seines Volkes schmeichelte. Die Gelegen-heit bot Algier, wo immer noch die Seeräuber herrschten,und wo man eben jüngst den französischen Gesandten schwerbeleidigt hatte. Sofort wurde eine Flotte dorthin abgesandt,
zu Wasser und zu Land die Stadt belagert und erorbcrt unddas ganze Reich zu einer französischen Kolonie gemacht.
Doch kaum erließ Karl daraus einige Verordnungen,um im eigenen Lande verlorene Rechte und Gewalten derRegierung wieder zu sichern, als durch die Jnlirevolu-tiou 1830 der Sturm auch über ihn dahinbranste undsein Scepter knickte. Karl floh nach England und späternach Österreich, wo er 1838 starb.
3. cLouis Philipp. (1830—1848). König der Fran-1848zvsen wurde jetzt der Herzogvon Orlsans, Louis Philipp.
Doch schon 1848 erlebte Frank-reich eine dritte, die sogen.
Februarrevolution. LouisPhilipp dankte ab, und auStelle der Monarchie tratwieder die Republik, dochnur, um schon 1852 wiedereinem Kaiserreiche Platz zumachen.
Zur Erinnerung an dieruhmvollen Zeiten Napo-leons I. wählte nämlich die Re-publik wieder einen Napoleon
Ludwig Philipp. König von /ankroch.