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Tierkunde in aufsteigender Darstellung : nach vergleichend-anatomischen und biologischen Gesichtspunkten für die Mittelklassen der höheren Lehranstalten / von J. Ruska
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Erundzüge des Systems.

8 61. Grundzüge des Systems.

In der Einleitung ist ausgeführt, daß die Sprache Bezeichnungen fürGruppen von Tieren besitzt, die auch dem Ungeübten durch die Übereinstimmungihres Baus auffallen. Diese Bezeichnungen sind aber nicht immer richtig undhalten genauerer Prüfung nicht immer stand. So sind „Walfisch" und „Tinten-fisch" keine Zische, und die „Würmer" im Gbst und in den Erbsen keine Würmer,sondern Insektenlarven. Man mutz also von oberflächlichen Ähnlichkeiten ab-sehen und den Bau und die Entwicklung der Tiere studieren, wenn man sichvor falschen Zusammenstellungen bewahren will. Dann ergeben sich die in Z 2aufgeführten acht Tierkreise und weiterhin die Klassen und Ordnungen,die im vorhergehenden behandelt sind. will man artenreiche Ordnungen nochweiter gliedern, so mutz man mehr und mehr untergeordnete Merkmale derTiere zur Abgrenzung der Unterabteilungen (Zamilien und Gattungen) aus-nützen. So bei den Unterabteilungen der Käfer die Anzahl der Zehengliederund die Zorm der Zühler, bei den Schnecken den Bau der Zunge usw.

Stellt man in dieser weise die bekannten lebenden Arten zusammen undvermerkt auch noch ihre geographische Verbreitung, so erhält man eine Art„Inventar der Natur", in welchem zwar viele einander nahestehende Zormenauch nebeneinander aufgezeichnet sind, viele andere aber ohne innere Be-ziehung aneinandergereiht werden. Dies war der Zustand der Systematik,solange noch die Überzeugung bestand, datz auf Erden stets dieselben Artengelebt haben, wie sie heute noch leben.

Durch die Untersuchung der Versteinerungen ist man aber zu der Über-zeugung gekommen, datz die Tierarten nicht unveränderlich sind, sondern imLaufe der geologischen Zeiträume mehr oder minder große Umwandlungenerlitten haben. Zu denselben Ergebnissen kommt man auch durch das Studiumder Entwicklung der Tiere vom Ei bis zur vollen Ausbildung. Es hat sichdabei gezeigt, datz die Tiere vielfach in der Jugend Zustände durchlaufen, indenen ihr Bau größere Ähnlichkeit mit dem Bau von ursprünglicheren oder aus-gestorbenen Arten hat. Endlich lehrt die Züchtung zahlreicher verschiedenerHaustierrassen die Veränderlichkeit der Tiere und pflanzen. Man versuchtdaher jetzt, die Geschichte der Tiergruppen durch die geologischen Zeitalter hin-durch zu verfolgen und eine Art Stammbaum des Tierreichs aufzustellen.Das ist für manche Gruppen in überraschender weise gelungen, für viele andereaber fehlt es an geologischem Beweismaterial, und man mutz versuchen, dienötigen Anhaltspunkte aus der Entwicklungsgeschichte der jetzt lebenden Tierezu gewinnen.

8 62. Zeitalter der Erdgeschichte.

Die ältesten Gesteine der Erdrinde enthalten keine Spuren ehemaligenLebens. Ebenso können die aus dem Schmelzfluß erstarrten vulkanischen Ge-steine keine Reste von Tieren oder pflanzen enthalten. Man findet diese nurin den Schichtgesteinen, die unter Mitwirkung des Wassers und Windes