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So lang' ein Ruder schallendNoch seine Welle schlägt.
3. Sie sollen ihn nicht haben,
Den freien deutschen Rhein,
So lang' sich Herzen labenAn seinem Feucrwein.
4. So lang' an seinem Strome
Noch fest die Felsen stehn,
So lang' sich hohe DomeIn seinem Spiegel sehn.
5. Sie sollen ihn nicht haben,
Den freien deutschen Rhein,
So lang' dort kühne KnabenUm schlanke Dirnen frei'n.
6. So lang' die Flosse hebet
Ein Fisch aus seinem Grund,
So lang' ein Lied noch lebetIn seiner Sänger Mund.
7. Sie sollen ihn nicht haben,
Den freien deutschen Rhein,
Bis seine Flut begrabenDes letzten Mann's Gebein!
Nikolaus Leider.
Sedan.
1. Wie Märchen klingt's, und doch im Jubelton,Durch alle Straßen wälzt sich's freudebrausend:„Sie haben ihn, den Schelm Napoleon,
Sie haben ihn und seine achtzigtausend!"
Die Kinder rufen's in den Gassen aus,
Den Männern rollen Thränen von den Wangen,In Flaggen hüllt sich festlich Haus um Haus.Victoria! Der Kaiser ist gefangen!
2. Victoria! So wuchtig lag die FruchtVollreifen Siegs noch nie in deutschen Händen,Seit Hermann in der Teutoburger SchluchtRoms Heer zerquetschte zwischen Felsenwänden.Nicht Leipzig ist's, nicht Waterloo fortan,
Wo deutscher Kraft ihr Bestes ist gelungen;
Dort hat es halb Europa mit gethan,
Bei Sedan Habens wir's allein gezwungen.