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Bilder-Atlas zur Zoologie der Säugetiere : Mit beschreibendem Text / William Marshall
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18
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Beuteltiere.

Zahnarme Säugetiere.

8. Familie: Lipringlicutlrr (^lacropoäiäao). Die Springbeutler oder kängurtchartigeiiBeuteltiere sind meist von ansehnlicher Größe. Ihre Hintere Körperhälfte übertrifft dievordere an Masse ganz bedeutend, einmal durch die starke Entwickelung der Hinteren Glied-maßen, die 56mal länger und entsprechend dicker und schwerer als die vorderen sein können,und zweitens durch den gewaltigen Schwanz, der die springende Bewegung der Känguruhssehr wesentlich unterstützt und beim Sitzen neben den Hinterfüßen als dritter Stützpunkt dient.Die kurzen Vorderbeine werden nur beiläufig zur Grtsbcwegung benutzt, am meisten nochbei den kletternden Formen der Baumkänguruhs.

Alt dem vorderen Fußpaare finden sich 5 ziemlich gleich große und mit starken, gekrümm-ten Krallen bewaffnete Zehen, an dem Hinteren 4, aber sehr ungleichartig entwickelte. DieInnenzehe fehlt, die 2. und 3. sind klein und namentlich sehr dünn und verwachsen bisvorn an die Spitze miteinander, so daß sie scheinbar eine Zehe mit 2 Nägel» bilden. Die4. Zehe ist sehr groß und mit einem hufartigen Nagel versehen, die 5. ist wieder schwächerentwickelt.

Im Oberkiefer sind 3 von innen nach außen an Größe abnehmende und im Unterkiefer2 zugespitzte und gerade nach vorn stehende Schneidezähne. Die Nackenzähne (in jeder Kiefer-hälfte oben und unten 3) haben lange, mit starken Ouerwulsten versehene Kauflächen und verraten die ausgesprochenen Pflanzenfresser. Der Zwischenraum zwischen ihnen und den Schneide-zähnen ist bedeutend. Der Magen ist sehr groß, grimmdarmartig verlängert und besteht auseiner Anzahl hintereinander gelegenen Kammern oder Zellen. Der Beutel ist nach vorn offen.

Ihrer ganzen Organisation nach kann man die Känguruhs nicht unrichtig als die Ver-treter der Wiederkäuer unter den Beuteltieren bezeichnen, die dabei aber doch auch wieder invielen Punkten an die Hasen erinnern. Diese Familie ist die umfangreichste Veuteltierfannlieund umfaßt 56 Arten, die über die Papuainseln, Neuguinea, Australien und Tasmanien ver-teilt sind. Wir unterscheiden 2 Unterfamilien: echte Känguruhs und Känguruhratten.

a) Untcrfamilie: Lchte lränguruiss (Llacropoäinae). Die echten Känguruhs haben anallen Zehen der vorderen Glicdmaßen mittellange Nägel und graben nicht in der Erde.Ihre Bewegungen sind entweder, wenn es sich darum handelt, rasch vom Flecke zu kommen,ein Springen in langen Sätzen, wozu bloß Hinterbeine und Schwanz benutzt werden, oderaber beim ruhigen Weiden ein gemächliches Gehen, wobei sie die vorderfüße aufstemmen unddie Hinterbeine ruckweise nachziehe», so daß jene zwischen diesen zu stehen kommen.

Die Gattung Llacropus, einschließlich Ospbrantor und Ikslmaturus, umfaßt 2() Arten,die das kontinentale Australien, Tasmanien und verschiedene benachbarte Inseln bewohnen.In diese Gattung gehören die mittelgroßen und sehr großen Arten, wie das Niesenkängu-ruh lMacropus ^iganteus). Die Felsen- oder Bergkänguruhs (?etro^alo) haben dichtbehaarte und an der Spitze buschige Schwänze, die sie beim Sitzen nicht als Stützen benutze».Es sind nächtliche, am Tage in Höhlen versteckt lebende Tiere, die mit großem Geschick aufFelsen klettern. Sie bewohnen in 7 Arten das kontinentale Australien. Das gelbsüßigeBergkänguruh (kotro^alo xantkopus, S. 64) findet sich in Neusüdwales. Die Baum-känguruhs (venclrola^us) werden in 2 Arten in Neuguinea angetroffen. Bei ihnen ist dasMißverhältnis zwischen den Hinteren und vorderen Gliedmaßen weniger groß, und sämtlicheZehen tragen sichelförmige Krallen. Die Tiere klettern sehr geschickt auf Bäumen, von derenBlättern sie sich ernähren. Das schwarze Baumkänguruh (Oenclrola^us inustus, S. 64)ist die bekannteste Art.

b) Knterfamilie: ülänglirnhr.itten (?otorinao) sind von ziemlich geringer Größe und habenan den Mittelzehen der vorderfüße große Nägel, die zum Graben von Höhlungen be-fähigen; ihre Bewegungen sind weniger springend als laufend. Die Opossumratte (Kot-tonAia pcnicillata, S. 65) ist etwa so groß wie ein Kaninchen, aber kurzohrig und hat einenweichen, oben graubraunen, unten gelblichweißen Pelz. Sie macht sich Erdhöhlen, die sie mitGras ausfüttert, zu Wohnstätten zurecht und bewohnt das kontinentale Australien. Die Kän-guruhratte (kotorous triclacHlus, S. 65) hat einen zum Teil ganz nackten, zum Teil nurspärlich behaarten Schwanz, einen ziemlich langen, oben dunkelbraunen, unten gelblichweißenPelz. Das nächtliche Tier gräbt sich gleichfalls Höhlen, die es mit Gras auspolstert, und findetsich in Südaustralien und Tasmanien.