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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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ägyptischen Pharaonen, ihren Ruhm in mächtigen Bauten (Tempel inturmähnlichem Stil, Paläste, Festungen, Kanäle rc.), deren Mauern ausgebrannten Ziegeln aufgeführt waren. Die Hauptstadt Babylon war einWunder der Welt.

In der Form eines Vierecks an beiden Ufern des Euphrat erbaut, hatteBabylon (d. i. Thor des Bel) einen Umfang von 65—90Km. (9—12 Meilen),seine Ringmauern eine Höhe von 35, eine Breite von 22 Mtr., 250 Türmeund 100 eherne Thore. Seine Hauptgebäude waren der in acht Stockwerkenemporsteigende, gegen 200 Mtr. hohe Tempel des Bel (der babylonischeTurm, jetzt noch bis über das zweite Stockwerk 73 Mtr., s. Kunstd. I, Nr. 10),der zugleich als Sternwarte diente, und die Königsburg, denen später (unterNebukadnezar) ein zweiter Königspalast und die hängenden Gärten hinzu-gefügt wurden.

Seit dem 9. Jahrhundert wurde das babylonische Reich mehr undmehr zurückgedrängt, endlich unterworfen durch die Macht der Assyrer.

2. Das assyrische Reich. Die Bibel erzählt: „Von dem LandeSinkar (d. i. Babylonien) ist gekommen der Assur und baute Ninive".Daß die Gründung der assyrischen Herrschaft durch Ninus und Semirämiserfolgt sei, ist bloße Sage.

NInuS, der König der Assyrer — erzählen griechische Schriftsteller, wahr-scheinlich nach orientalischen Dichtungen — war der erste König in Asien, dergroße Thaten vollbrachte. Er eroberte viele Länder und Völker Asiens. Gegendie Baktrer aber vermochte er anfänglich nichts auszurichten. Er verschobdaher den Krieg gegen dieselben auf eine andere Gelegenheit und gründete amöstlichen Ufer des Tigris die Stadt Ninus (Ninkve) in der Form eines läng-lichen Vierecks mit einem Umfang von 90 Km. (12 Meilen). Die Mauern er-hielten eine Höhe von 30, eine Stärke von 15 Mtr. und wurden von 1500Türmen überragt, die 60 Mtr. hoch waren. (Aus den vorhandenen Überrestenergiebt sich, daß Ninive nur einen Umfang von 13 Km. — 1"/» Meilen —hatte und die Bevölkerung auf nicht mehr als 200000 Menschen zu schätzen ist.)Nach der Erbauung dieser Stadt zog Ninus mit einem ungeheuren Heere aber-mals gegen die Baktrer und unterwarf deren Land mit Ausnahme der wohl-befestigten Hauptstadt Baktra. Als die Belagerung derselben sich in die Längezog, lieh Onnes, der erste unter den Räten des Ninus und Statthalter vonSyrien, sein Weib Semirämis in das Lager kommen.

Semirämis, eine Tochter der Göttin Derkkto, war als Kind ausgesetzt,aber von Tauben ihrer Mutter ernährt, von Hirten gefunden, von SimmaS,dem Aufseher der königlichen Herden in Syrien, auferzogen und dann anOnnes vermählt worden. Durch Verstand und Kühnheit nicht minder wiedurch Schönheit hervorragend, erstieg sie, als sie in Männerkleidung im Lagerdes Ninus angekommen war, mit einer Kriegerschar die feste Burg »on Baktraund gewann dadurch die Stadt den, Ninus, der sie zu seiner königlichen Ge-mahlin erhob. Sie gebar demselben einen Sohn, Nintzas, und Ninus hinterließihr sterbend das Reich. Als Herrscherin übertraf sie noch den Ruhm deS NinuS.