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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Unter den schwachen Karolingern hatte sich (879) das Königreich Nieder»burgund (Provence mit der Hauptstadt Arles, daher Arelat, DauphinsFranche-Comtt) vom Frankenreich (Z 76) getrennt, und bald darauf (888) warauch Hochburgund (Savoyen, westliche Schweiz) entstanden. Später (933)waren beide vereinigt worden als arelatisches Königreich.

Um die kaiserliche Macht durch Schwächung der größeren Lehns-herren zu heben, stellte Konrad die Erblichkeit der kleineren Lehen durchein Gesetz fest. Er starb in Utrecht und wurde im Dome zu Speier be-graben, zu welchem er den Grund gelegt.

2. Heinrich III. (der Schwarze) 10391056, Konrads Sohn,unterdrückte mit Kraft die nach Unabhängigkeit strebenden Herzöge undbesetzte viermal den päpstlichen Stuhl mit deutschen Bischöfen. Die Kaiser-macht erreichte unter ihm ihre höchste Stufe, das deutsche Reich seinegrößte Ausdehnung. Selbst die Ungarn erkannten auf kurze Zeitin dem Kaiser ihren Lehnsherrn.

Das Reich umfaßte 3 Königreiche (Italien, Burgund, Ungarn), 7 deutscheHerzogtümer (Franken, Sachsen, Schwaben, Bayern, Ober- und Niederlothringenund Körnten) und 2 slavische Herzogtümer (Polen und Böhmen). Es erstrecktesich von der Rhone und Saone bis zur Aluta und zum Bug.

Der Gottesfriede zur Milderung des Fehdegeistes und des Faustrechts.

L. Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII.

1. Heinrichs IV. Jugend und Krieg gegen die Sachsen.

Heinrich IV. 10561106, der Sohn Heinrichs III., war schon vordes Vaters Tode zum Könige gesalbt worden. Bei seiner Thronbesteigungnoch nicht sechs Jahre alt, stand er zuerst unter der Vormundschaft seinerMutter Agnes, dann unter der Leitung des strengen Erzbischofs Annovon Köln (der ihn seiner Mutter zu Kaiserswert entführte), endlichunter dem Einflüsse des Erzbischoss Adalbert von Bremen. Adalbertwirkte auf den unbefestigten Charakter des jungen Heinrich, den er schonin seinem fünfzehnten Jahre mündig erklären ließ, verderblich ein underfüllte sein Gemüt mit Geringschätzung gegen die Fürsten, insbesonderemit Haß gegen die sächsischen. Dem (sächsischen) Grafen Otto vonNord heim wird das Herzogtum Bayern willkürlich genommen (und demHerzog Wels verliehen) und das Sachsenvolk durch des Königs drückendeHofhaltung auf der Harz bürg zur Empörung gereizt. Deshalb stehendie Sachsen gegen ihn auf und zerstören die Harzburg samt den andernZwingfesten. Aber der entflohene Heinrich findet Aufnahme in Worms,dann Hilfe bei den rheinischen und oberdeutschen Fürsten, siegt (1075) bei