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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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land sind von nun an die vornehmsten Schauplätze der geistigen Ent-wickelung der Menschheit.

I. Frankreich gewann durch seine Kultur im Zeitalter Ludwigs XIV.(Z 104, 6) und durch die Werke seiner sprachgewandten und talentvollen (doch meistleichtfertigen) Schriftsteller aus Ludwigs XV. Zeit (Z 117,1) einen nurallzu-großen Einfluß auf die übrigen Länder, in welchen der französische Geschmack mit.den französischen Sitten sich verbreitete und die französische Sprache zur Spracheder Höfe, der Staatsmänner und der feineren Welt überhaupt erhoben wurde.

II. England brachte eine Reihe berühmter Dichter (Milton, -s 1674, Dichter desverlorenen Paradieses', u. a.), Geschichtschreiber, Staatsredner (Pitt) undDenker (Locke) hervor. Den höchsten Ruhm in der Wissenschaft erwarb Newton(s- 1727), durch welchen die Mathematik, Physik und Astronomie (Entdeckung derGesetze der Schwere) außerordentliche Fortschritte machten. An ihn schließt sichder Astronom Herschel (Riesenteleskop).

III. Deutschland lag seit dem dreißigjährigen Kriege bis zur Mittedes 18. Jahrhunderts wie in seinem Staatswesen, so auch in Kunstund Wissenschaft tief darnieder. Der Einfluß Frankreichs war auchin dieser Hinsicht nur nachteilig. Selbst die deutsche Sprache erlittdurch das Eindringen von Fremdwörtern schmähliche Verunstaltungen.Im Zeitalter Friedrichs des Großen dagegen begann hierein großartiger Aufschwung des geistigen Lebens, der, zunächst vonder Poesie ausgehend, sich auch über die andern Künste erstreckte undzugleich eine Umgestaltung und Erhebung der Wissenschaft bewirkte,welche seit dem Ende des 18. Jahrhunderts Deutschland auf demgeistigen Gebiete an die Spitze der europäischen Völker stellt.

a. Die Blütezeit der deutschen Dichtung.

1. Der Vorbereitungszeit, welche bis zur Mitte des achtzehnten Jahr-hunderts reicht, gehören vor andern die Dichter Halter, Hagedorn undGellert an.

Von Hakler war 1708 zu Bern geboren. Sein berühmtestes Gedicht,Die Alpen',schildert in edler, gehaltvoller Darstellung die großartige Natur des Alpenlandes und dassittenreine, zufriedene Hirtenleben der Gebirgsbewohner. Und daran schließt der Dichterdie Frage:Sag' an, Hslvetien, du Heldenvaterland, wie ist dein altes Volk dem jetzigenverwandt?'

Von Hagedorn, ein Hamburger, ebenfalls 1708 geb-, hat leichte, anmutige, beitereLieder, Fabeln und Erzählungen gedichtet; unvergessen ist noch heute seinJohann, dermuntre Seifensieder'.

Gellert, Professor in Leipzig, geb. 1715, wurde durch seine Fabeln, die auchFriedrichs des Großen Beifall fanden, und durch seine geistlichen Lieder, von denennicht wenige in die evangelischen Gesangbücher übergingen (Mein erst' Gefühl sei Preisund Dank',Wie groß ist des Allmächt'gen Güte' rc.), einer der Lieblingsdichter des