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deutschen Volkes. — Auch Lichtwer und der etwas jüngere Elsässer Pfcffcl sind bekannteFabeldichter.
2. Klopstock, Lessing, Wieland. Der Vorbereitungszeit folgte danndie eigentliche Blüteperiode unserer Poesie, die mit dem Hervortreten Klop -stocks und Lessings um 1750 begann. Neben diesen beiden ist zunächstWieland zu nennen.
Klopstock war 1724 zu Quedlinburg geboren und starb 1803 zu Hamburg. Einbahnbrechender Dichtergenius von Gottes Gnaden, der, voll Begeisterung sür Religionund Vaterland, der deutschen Poesie einen höheren Geist einhauchte und —mit.Anwendungder dichterischen Maße und Formen des klassischen Altertums — eine neue, gehobeneSprache gab. Seinen Ruhm begründete er durch den „Messias", dessen drei erste Ge-sänge 1748 erschienen und von dem deutschen Volke mit überschwänglicher Bewunderungaufgenommen wurden. In diesem großen Heldengedicht (20 Gesänge in Hexametern) singtder Dichter „der sündigen Menschen Erlösung, die der Messias aufErden in seiner Mensch-heit vollendet". Dem erhabenen Gegenstand entspricht die Erhabenheit der Darstellung;doch fehlt dem Werke, das zu hoch über die irdische Welt hinausgreist, die rechte Anschau-lichkeit und lebensvolle Mannigfaltigkeit: kaum gelingt noch der Versuch, es vollständigzu lesen. Von hohem dichterischen Werte sind ferner Klopstocks Oden, in denen er dieedelsten Güter und Gefühle, Gott, Vaterland, Freundschaft rc. voll Begeisterung in schwung-und kunstreichen (reimlosen) Versen feiert. Hier seien nur genannt: „Der Züricher See",„Der Eislauf", „Die Frühlingsfeier". — Auch geistliche Lieder („Aufersteh», ja auf-erstshn" u. a.) hat er gedichtet.
Sehr verschieden von dem erhabenen Schwünge der Poesie Klopstocks, aber durchedelste Klarheit und wirkungsvolle Kraft der Sprache ausgezeichnet ist die Dichtung desnur fünf Jahre jüngeren
Lessing. Geb. 1729 zu Kamen; in Sachsen, gest. 1781 in Braunschweig, hat er seinepoetische Thätigkeit vorzugsweise dem Drama zugewandt. In seiner „Minna vonBarnhelm" schuf er das beste Lustspiel, das wir besitzen, nach Goethes Behauptung,„die erste Theaterproduktion von vollkommenem Nationalgehalt, die den Blick in einehöhere bedeutendere Welt glücklich eröffnete," in der „Emilia Galotti" gab er derdeutschen Bühne das erste tragische Meisterwerk. Sind diese beiden Schauspiele inProsa gedichtet und zwar der trefflichsten, die sich bis dahin bei einem deutschen Schrift-steller findet, so ging Lessing schließlich doch zum Drama in Versen über: seinem fol-genden — und letzten — Stück verlieh er den Schmuck der rhythmischen Rede. Es wardas dramatische Gedicht „Nathan der Weise", durch welches erden fünffüßigen Jam-bus zum stehenden Verse des Dramas für unsere ganze Blütezeit erhob. Auch hat Lessingwertvolle Fabeln (in Prosa) geschrieben. — Seine wissenschaftlichen Schriftensind durch Geist, Gründlichkeit und Scharfsinn ausgezeichnet, in der sprachlichen Dar-stellung wie alle seine Werke mustergiltig für alle Zeiten. Mit Recht sagt Goethe von demgroßen Manne: „Vormals im Leben ehrten wir dich als einen der Götter; nun du totbist, so herrscht über die Geister dein Geist."
Wieland, 1733—1813, ist der älteste der sogenannten weimarischen Dichter. Erverstand, leicht, lebendig und witzig in Prosa und Versen zu erzählen; doch sind seine zahl-reichen Schriften mehr und mehr der Vergessenheit anheimgefallen. Von bleibendem Wertedagegen ist sein Hauptwerk „Oberon, ein romantisches Heldengedicht in zwölf Ge-sängen", von dem Goethe rühmt: „So lange Poesie Poesie, Gold Gold und Krystall