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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Krystall bleibt, wird Oberen als Meisterstück poetischer Kunst geliebt und bewundertwerden."

3. Zeitgenossen Klopstocks und Lessings waren die preußischenDichter Gleim, Ewald von Kleist und Ramler, welche namentlichden Ruhm Friedrichs des Großen besangen.

Gleim in Halberstadt, gest. 1803, hat heilere, spielende Lieder von Rosen, Wein,Freundschaft rc.,leichte Sächelchen" ohne höheren Wert, gedichtet; kräftiger sind seinepreußischen Kriegslieder'von einem Grenadier" aus Friedrichs Feldzügen von 1756und 1757.

Kleist, Ewald Christian von, preußischer Major, der an einer in der Schlacht beiKunersdorf 1759 erlittenen Verwundung starb, ein sanfter, die Natur und die Einsamkeitliebender Dichter, hat besonders durch sein beschreibendes GedichtDer Frühling" wohl-verdienten Ruf erlangt. Es ist, wie Lesstng sagt,eine mit Empfindungen durchslochteneReihe von (Landschafts-)Bildern".

Ramler in Berlin feierte in wohlgefeilten kunstvollen Oden seines großen KönigsThaten.

4. Der Göttinger Dichterbund. In engem Anschluß an Klopstockentstand der Göttinger Dichterbund, dersich auch Hainb und nannte.Ihm gehörten als hervorragendste Mitglieder an: Voß, die beiden BrüderGrasen zu Stolberg und Hölty; die Dichter Bürger und Clau-dius standen dem Verein nahe.

Der Hainbund wurde 1772 zu Göttingen von einigen dort studierenden dichterisch-begabten Jünglingen geschloffen. Volljugendlicher Begeisterung widmeten sie dem Sänger-helden Klopstock die höchste Verehrung, nach dessen Vorbild sie Gott und Tugend zu preisen,die Liebe zur Natur anzuregen, den Sinn für Vaterland und Freiheit zu beleben sich zurAufgabe stellten. Der Bund selbst überdauerte zwar nicht den Aufenthalt der jungenMänner in Göttingen; doch griff er durch einzelne tüchtige Mitglieder in die weitere Ent-wickelung der deutschen Dichtung ein. Unter ihnen hat sich

Voß, geb. 1751 im Mecklenburgischen, gest. 1826 in Heidelberg, vor allen durch seineÜbersetzung der homerischenGedichte (Odyssee und Jlias) um die höhere Aus-bildung unserer dichterischen Sprache sehr verdient gemacht. Von seinen eigenen Gedichtensind die Idyllen:Luise" undDer siebenzigste Geburtstag" (beide in Hexametern)hervorzuheben.

Unter den beiden Grafen zu Stolberg ist der jüngere Bruder Friedrich Leo-pold (geb. 1750) bedeutender, als Christian, der ältere. Er vertritt unter den Hain-bunddichtern vorzugsweise die vaterländische und christliche Richtung Klopstocks. Seinim Jahre 1800 erfolgter Übertritt zur katholischen Kirche erregte großes Aufsehen undschied ihn von seine malten Freunde Voß. Einige seiner Lieder, wieSüße, heilige Natur"undSohn, da hast du meinen Speer" sind noch heute allgemeiner bekannt.

Hölty, der schon in jugendlichem Alter (1776) starb, war der volksbeliebteste derHainbundsänger. In seinen zarten, gefühlvollen Gedichten ist herzliche Freude an derschönen Gotteswelt (Wer wollte sich mit Grillen plagen?" undRosen auf den Weg ge-streut"), Sehnsucht nach ländlicher Stille, sanfte Schwermut und wehmütige Todesahnungin so edler, wohllautender Sprache ausgedrückt, wie sie uns nur bei den besten unsererDichter begegnet. Sein Lied:Üb' immer Treu' und Redlichkeit" lebt noch fort im Volke.