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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Dichter unserer Nation. Wenn von diesem Dichterpaar die vollendetstenWerke unserer Poesie ausgingen, so darf namentlich das Jahrzehnt ihresengen Freundschaftsbundes, 1795—1805, als die höchste Glanzzeit derdeutschen Dichtung bezeichnet werden. „Eine zweite Jugend," bekannteGoethe, „habe ihm die Verbindung mit dem anregenden, gewaltig fortschrei-tenden Freunde gegeben." Für Schiller waren die Jahre dieser Freundschaft,die ununterbrochen bis zu seinem Tode gedauert hat, die Zeit seiner voll-kommenen Dichterreife. Zehn reiche Jahre hindurch überschütteten die beidenFreunde ihr Volk unablässig mit neuen Geschenken ihres dichterischenSchaffens. Goethes „Hermann und Dorothea",das herrliche „bürger-liche Epos", das Schiller den „Gipfel unserer ganzen neueren Kunst"nennt, ist damals (1797) entstanden; sein berühmter Roman „WilhelmMeistersLehrjahre" wurde unter des Freundes fördernder Teilnahmezur Vollendung geführt. Schiller aber schuf außer seinen köstlichen „Balladen",seinem unvergleichlichen „Lied von der Glocke" und anderen gehaltreichenGedichten die Reihe seiner großen Dramen, zunächst (noch in Jena): die groß-artige Trilogie „ Wallenstein"; darauf folgten dann, nachdem er 1799 nachWeimar übergesiedelt: „Maria Stuart", „Die Jungfrau vonOrleans", „Die Braut von Messina" und „Wilhelm Teil"(1799—1804), die durch ihre lebensvolle Handlung, durch die Würde undHoheit ihrer Gedanken, durch den bezaubernden Glanz und die funkelndePracht ihrer Sprache alle Herzen ergreifen und „auf immer der Stolz undder Ruhm der deutschen Bühne bleiben werden". Leider endete des DichtersLeben allzufrüh: 9. Mai 1805; er wurde der Welt „mitten in der vollendet-sten Reife seiner geistigen Kraft entrissen und hätte" — so versichert seinFreund W. v. Humboldt — „noch Unendliches leisten können". Goethe über-lebte den treuen Genossen um 27 Jahre, und seine dichterische Thätigkeitdauerte fort bis ins hohe Greisenalter. Unter den größeren Werken seinerspäteren Periode ist besonders „Aus meinem Leben. Dichtung undWahrheit" hervorzuheben, eine ebenso anziehende als gehaltreiche Schil-derung seiner Jugendzeit. Dann erschien der „westöstliche Diva n", eineSammlung von Gedichten im morgenländischen Gewände, in welchen unsdie heitere Lebensweisheit des alternden Dichters, der im Orient „Patri-archenluft kostet", erfreulich entgegentritt. Die großartigste aber aller Dich-tungen, die er geschaffen, ist der „Faust", ein Meisterwerk ohnegleichen, dasnoch nach Jahrhunderten die Bewunderung aller finden wird, deren Sinnfür die Macht und Herrlichkeit der Poesie lebendig ist. Nicht lange nach derVollendung des „Faust" starb Goethe, dreiundachtzigjährig, am 22. Mai 1832.Seine Dichterwirksamkeit umfaßt sechzig Jahre (1772—1832). Er ist Deutsch-