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Grundriss der Weltgeschichte für höhere Lehranstalten / von J. C. Andrä
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Große Erfindungen.

Allseitiger noch und durchgreifender, als die Künste und Wissenschaften^haben die Erfindungen, an denen die neueste Zeit so reich ist, auf dieZustände der Welt eingewirkt. Man hat daher mit gutem Recht die letzt-vergangenen hundert Jahre das Zeitalter der Erfindungen genannt.Da kettet sich eine wichtige und folgenreiche Erfindung an die andere; alleLebensgebiete: der Verkehr und der Handel, das Gewerbe und die Industrie,der Ackerbau, die Kriegsführung, das geistige Bildungswesen, werden davonberührt und verändert, die Welt durch sie gleichsam neugestaltet. Ihre Zahlläßt sich kaum übersehen; der größte Teil ist von den Naturwissenschaften aus-gegangen. Als allgemeiner hervortretende Erfindungen mögen hier nur an-geführt sein: die Gasbeleuchtung und Gasheizung, das elektrische Licht, derSteindruck, der Stahlstich, der Farbendruck, die Photographie, die Näh-maschine, die Schnellpresse, die Hinterladungsgeschütze rc. Von der weit-greifendsten, weltumgestaltenden Bedeutung aber sind: die Dampf-maschine, die Dampfschiffahrt, die Eisenbahnen und derelektromagnetische Telegraph.

1. Die Dampfmaschine wurde 1769 von dem Engländer James Watterfunden (H120, V, 2); ihre Erfindung fällt also bereits in die vorhergehendeGeschichtsperiode; doch ihre großartige Verbreitung und vielseitige An-wendung gehört erst in die neueste Zeit. Eine völlige Umwandlung desFabrikbetriebs und des Bergbaues wurde dadurch hervorgerufen; die In-dustrie in ihrer jetzigen Gestalt ist durch die Dampfmaschine erst geschaffen.

In der Einführung der neuen Erfindung war England den übrigen Ländern weitvoraus: während dort schon im Jahre 1810 etwa 5000 Dampfmaschinen arbeiteten, be-gann in Preußen erst 1830 die allmählich zunehmende Verwendung der Dampfkraft;Hannover erhielt 1832, Württemberg 1841 die erste Dampfmaschine. Jetzt sind Hundert-tausende von Maschinen in Thätigkeit; auch die bescheidenste gewerbliche Anstalt wirdschonmit Dampf betrieben". Von besonderer Wichtigkeit aber ist die Anwendung derDampfkraft auf die Schiffahrt und das Eisenb ahnwes e n(Nr. 2 und 3).

2. Die Dampfschiffahrt ist eine Erfindung des Nordamerikaners RobertFulton, der 1807 zu Newpork das erste Dampfboot baute. Sie fandrasche Ausbreitung, zunächst in Nordamerika und England. In Deutschlandging 1817 ein Dampfboot von Berlin bis Hamburg; im folgenden Jahrebegannen in England gebaute Dampfschiffe den Rhein zu befahren. Überden atlantischen Ocean machte 1819 das erste Dampfschiff die Reise vonNordamerika nach England in 26 Tagen. Jetzt wird diese Strecke schon in7 bis 10 Tagen zurückgelegt.

Von mehr als 300 Dampfern wird täglich der Ocean zwischen Europa und Amerikadurchkreuzt; auf allen Welt- und Binnenmeeren, auf allen Strömen und fahrbaren Flüssen

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