Band 
Erster Kursus.
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Achilles 1200 vor Chr.

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Webschiff entsank ihrer Hand. Mit pochendem Herzen stürzte sie aus demGemache hinaus nach dem Turm und sah noch, wie Achilles den Leichnamdes geliebten Gemahls mitleidslos über das Feld schleifte. Mehr konnte sienicht sehen; denn ihr schwanden die Sinne, ohnmächtig stürzte sie zusammen,und als sie sich endlich wieder besann, entströmten bange Klagen ihremMunde. „Weh mir Armen!" rief sie mit herzzerschneidendem Tone, „o wäreich nie geboren! Du gehst nun, Hektor, zu den Tiefen der Erde hinab;ich aber muß hier in meinem Schmerze verlassen zurückbleiben. Und werwird nun unser unmündiges Söhnchen schützen? Keiner wird ihn mehrachten, weil er des Vaters beraubt ist. — Du unglücklicher Mann! Daliegst du nun dort draußen nackend im Staube, den Würmern und Hundenzur Speise, und ich vermag mit keinem der vielen Kleider, die du hierliegen hast, dich zu bedecken! O wehe mir!"

6. Priamus saß währenddem mitten unter seinen weinenden Söhnen Priamussprachlos da. Der Gedanke, daß sein trefflicher Sohn ohne Beerdigung Achilles,bleiben sollte, beschäftigte ihn ganz, und ein nächtlicher Traum stärkte ihnnoch mehr in seinem Vorsatz, in das griechische Lager zu gehen und vonAchilles den Leichnam zu erbitten. Alles Flehen der Hekuba war vergebens,nichts vermochte ihn zurückzuhalten. Nachdem er ein reiches Lösegeld an Ge-wändern, Teppichen, köstlichen Gefäßen und gediegenem Golde zusammen-gelegt hatte, mußten ihm die Söhne den Wagen bereiten, und mit einbrechen-der Nacht eilte er, nur vom Wagenlenker begleitet, in rascher Fahrt durchdas Feld. Unbemerkt kam er in das Lager der Griechen, fand das Zelt desAchilles und trat hinein. — Noch saß der Held, in schwermütige Betrach-tungen versunken, vor dem Tische, wo er das Nachtmahl gehalten hatte. Erbemerkte den Greis nicht eher, als bis dieser seine Kniee umschlang und ihmdie Hände küßte. Staunend betrachtete Achilles die edle Gestalt des Greises,der in folgende Worte ausbrach: „Denke an deinen Vater, du starker Achilles,der so alt wie ich, jetzt fern von dir ist. Vielleicht umdrängen auch ihnjetzt mächtige Völker und keiner ist da, der sie ihm abwehrt. Aber er weißdoch, daß ihm noch ein tapferer Sohn lebt, und von Tag zu Tag hofft erauf deine Wiederkehr. Ich aber, ich Unglücklicher! ich habe so viele Söhneerzeugt, und von den tapfersten ist mir keiner mehr übrig. Fünfzig Söhnehatte ich noch, als ihr in mein Land kämet, neunzehn allein von einerMutter geboren. Viele davon fielen in der Schlacht; aber der mein einziggeliebter war, der die Stadt und uns alle beschirmte, den hast du getötet!

Für ihn, für meinen Hektor, bin ich zu dir gekommen, ihn für viele Lösungzu erkaufen. O Achilles, fürchte die Götter und erbarme dich meiner; denkean deinen eigenen Vater! Wie glücklich ist er gegen mich Elenden, der ichdie Hand küsse, so meine Kinder erschlug!" Diese Worte erweichten den hartenAchilles. Die Erinnerung an seinen alten Vater daheim hatte ihn wundersamergriffen. Sanft faßte er den Greis bei der Hand und Thränen der Wehmutentflossen seinen Augen um den abwesenden Vater und um den dahingeschiedenenFreund. Endlich hob er den Greis auf und sprach zu ihm tröstende Worte.

Darauf verließ er das Zelt, lieh die Lösung vorn Wagen des Priamusheben und befahl den Mägden, die Leiche zu waschen, in reine Gewänder zuschlagen und auf den Wagen zu legen. Dann kehrte er zum Greise zurück.

„Siehe!" sprach er, „dein Sohn ist gelöst, wie du es gewünscht hast; er