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Alte Geschichte.
Tod desHektor.
Hektor. Schon waren die Troer eilenden Laufes in die Stadt geflohen undunmutig ging Achilles vor der Mauer umher, ob er nicht Hektor träfe.Dieser hatte aber den Wütenden vermieden, und Priamus selbst ermähnteden Sohn, nicht allein mit Achilles den Kampf zu wagen. Am Abendjedoch beschloß Hektor, draußen am Thore den Feind zu erwarten, damit einfür allemal der Kampf zwischen ihnen entscheide.
Hektor ging, bald nahte Achilles. Der trojanische Königssohn nahmseinen ganzen Mut zusammen; aber der Anblick des Schrecklichen machte ihnzittern und er entfloh. Ihm nach eilte der schnelle Achilles und jagte ihndreimal rings um die Mauer der Stadt; mehr aber vermochte Hektor nicht,denn vergebens war er bald rechts, bald links abgesprungen. Nun stand ererschöpft still und rief dem Verfolger zu: „Genug, Achilles! Weiter entflieheich dir nicht. Nun stehe ich dir fest entgegen, ich töte dich nun, oder ichfalle. Aber vorher laß uns im Angesichts der Götter einen Bund be-schwören: siege ich, so will ich deinen Leib nicht mißhandeln, sondern deinemVolke zurückgeben: dasselbe thue auch mir!" — Wild schaute ihn Achillesan und rief: „Kein Vertrag zwischen mir und dir! Befreunden sich jeLöwen und Menschen, oder leben Wölfe und Lämmer in Eintracht? Sowie bitterer Haß auf ewig sie trennt, so gibt es kein Bündnis zwischen unsbeiden. Aber jetzt zeige, ob du die Lanze zu schwingen vermagst; dennlänger sollst du mir nicht entrinnen!" — Und schon schleuderte er mit ge-waltigem Schwünge die Lanze. Hektor aber bückte sich schnell und weit überihn hinweg flog sie in den Staub. Er richtete sich wieder auf und rief:„Gefehlt, weit gefehlt, stolzer Achilles; du dachtest Wohl, deine Worte würdenmich erschrecken und dein Speer mich durchbohren. Aber nicht also! Nunhüte dich vor der Schärfe meines Speeres!"
Und schon flog seine Lanze gerade auf Achilles los und traf ihn mittenauf den Schild; doch weit prallte sie zurück. Da erschrak Hektor; denn ererkannte, daß seine Todesstunde herannahte. Er zog das Schwert und drang,um als Held zu fallen, mutig auf den Gegner ein. Achilles aber fing dieHiebe mit dem Schilde auf und, eine Blöße am Halse bemerkend, rannteer ihm das Schwert durch die Kehle, daß er rücklings niedersank. Nochsterbend flehte dieser: „Ich beschwöre dich, wirf meinen Leib nicht den Hun-den vor, sondern sende ihn für schweres Lösegeld nach Troja, daß ihn dieMeinigen beerdigen!" Mit schnöden Worten versagte Achilles des Sterben-den Bitte, und als dieser wirklich geendet hatte, durchstach er ihm die Sehnenzwischen Knöchel und Ferse, zog Riemen hindurch und band den Leichnaman den Wagen. So schleifte er ihn bis an das Lager der Griechen undwarf ihn hier hin zum Fraße der Hunde.
Oben auf der Mauer der Stadt standen die Troer, unter ihnenPriamus und dessen Gemahlin Hekuba und erblickten das gräßlicheSchauspiel. Alle weinten laut auf und stießen klägliches Geschrei aus; vorallem aber die unglückliche Mutter, die sich das Haar raufte und mit lautenKlagen dem entstellten Leichnam ihres Sohnes nachsah. — Indessen saßAndromache, das Unglück noch nicht wissend, ruhig daheim; sie webte ebenein schönes Gewand. Da befahl sie den Mägden, eilends ein Gefäß mitWasser aufs Feuer zu stellen, damit Hektor, wenn er vom Kampfe zurück-kehrte, ein stärkendes Bad fände. Plötzlich hörte sie Geheul und Jammer-geschrei vom Turme her; die Glieder fingen ihr an zu zittern und das