Alcibiades und Sokrates 400 vor Chr.
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gebung, und sogar der leichtsinnige Alcibiades, der sich sonst nicht viel aus Alcibiadesden vortrefflichsten Rednern machte, bekannte: „Von Sokrates' Rede werde ich undso ergriffen, daß mir das Herz klopft und die Thränen mir aus den Augen Sokrates.dringen!" Wißbegierig hörte er ihm zu und nahm ruhig den Tadel desMeisters hin. So lange er bei ihm war, faßte er die besten Vorsätze; kamer aber unter das Volk, so schlug er alle guten Lehren wieder in den Wind.
Doch in der Liebe zu dem weisen Manne blieb er treu. Mit ihm zog erins Feld, mit ihm schlief er in einem Zelte. Inder Schlacht bei Delirim*
1424) kam Sokrates in Gefahr; die Feinde umringten ihn von allen Seiten.
Da stürzte sich Alcibiades, unbekümmert um sein eigenes Leben, mitten unterdie Gegner und rettete seinen Lehrer aus dem Gedränge. In der Schlachtbei Potidäa' (423) wurde Alcibiades nach tapferem Widerstand verwundetund sank zu Boden. Als aber der Feind auf ihn eindrang, sprang So-krates mit Schild und Lanze herbei und rettete ihm das Leben.
4. Im Jahre 415 vor Chr. hatte Sokrates den Kummer, seinenFreund Alcibiades sich entzogen zu sehen. Die Athener schickten denselben Alcibiadesnämlich mit einer wohlausgerüsteten Flotte nach Sicilien, um dort einigen'" SicilienStädten gegen die mit den Spartanern verbundenen Syrakusaner bcizu-stehen. Anfangs ging hier alles aufs beste; eine Stadt nach der ande-ren wurde erobert. Plötzlich rief man aber den Alcibiades nach Hausezurück. Hier hatte man ihn der Entweihung der Religion angeklagt. Kurzvor seiner Abfahrt nach Sicilien waren die Bildsäulen des Gottes Hermes(S. 5 Anm. 2), welche an den Ecken der Straßen standen, in einer Nachtschmählich verstümmelt worden. Der Verdacht dieser Frevclthat fiel aufAlcibiades und die zügellose Schar seiner Genossen. Jener verlangte so-gleich Verhör und Urteil; allein die Flotte war segelfcrtig, er mußte mitihr abgehen und so seinen Feinden freies Spiel lassen. In seiner Abwesen-heit wurde ihnen der Sieg nicht schwer. Ein Schiff wurde abgefertigt, denVerklagten heimzuholen und vor Gericht zu stellen. Er kam; aber nichtnach Athen, sondern nach — Sparta. Und als er hörte, seine Mitbürger Alcibiadeshätten ihn zum Tode verurteilt, lachte er bitter und sprach: „Bald denke in Sparta,ich ihnen zu zeigen, daß ich noch lebe!" Er hielt Wort. Zu Sparta lebteder früher so schwelgerische Athener nach den strengen Gesetzen dieses Staa-tes; man konnte ihn in keiner Hinsicht von einem geborncn Spartaner unter-scheiden. Dadurch ward er auch hier der Liebling des Volkes.
Alcibiades gab den Spartanern kluge Ratschläge, und was sie unter-nahmen gelang ihnen jetzt. Aber bald fingen sie an, auf ihren Gast eifer-süchtig zu werden; sie trauten ihm nicht und trachteten ihm nach dem Leben. AlcibiadesDa flüchtete sich Alcibiades nach Kleinasien zu den Persern. in
. Jetzt sollten auch die Spartaner seine Rache fühlen. Er gewann den Kleinasien.Persischen Statthalter Tissaphernes für die Sache der Athener. Als dieAthener voir dieser Sinnesänderung ihres ehemaligen Mitbürgers Kundebekamen, nahmen sie sein Verbannungsurteil zurück und übergaben ihmwieder den Oberbefehl über die Flotte. Mit Alcibiades kehrte das Glückzu den Athenern zurück. Sie schlugen die Spartaner zu Wasser und zu überLande; die verlorenen Städte und Inseln eroberten sie wieder (in den Jahren Spartaner411 und 410). Die gedemütigten Spartaner schrieben in ihrer eigen-4ll u. 410.tümlichen Kürze nach Hause: „Unser Glück ist dahin, der Anführer getötet,
' Delium, StädtcheninBöotien.—Potidäa, Stadt inMacedonien. —(Karte II.)