Band 
Erster Kursus.
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Oktavian Augustus 30 vor bis 14 nach Chr.

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„Auch ließ der Kaiser Augustus ein Gebot ausgehen, daß alleWelt geschätzt werde. Und jedermann ging, daß er sich schätzenließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Josephaus Nazareth* (Karte I.) in Galiläa und zog nach Bethlehem* inJudäa, daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrautenWeibe. Und als sie daselbst waren, gebar sie Jesum Christum,unsern Herrn und Heiland" (Lukas 2, 1. ff.). Dies geschah imdreißigsten Jahre von Augustus' Regierung, vierzehn Jahre vor seinem Tode.

4. Augustus war ein Freund des Friedens; er sagte: „der Lorbeerist schön, aber unfruchtbar!" Dennoch wurde zu seiner Zeit und von seinenLegionen ein Kampf geführt, der für uns als Deutsche von größter Wichtig-keit ist. Zweimal (im Jahre 55 und 53 vor Chr.; vgl. S. 61 Anm. 6)war bereits Cäsar über den Rhein nach Deutschland gegangen, das da-mals noch ein großer unbekannter Wald war, wo Wölfe, Bären und Auer-ochsen hausten. Die alten Deutschen wohnten in einzelnen Hütten und trie-ben, ein noch ungebildetes, freies Volk, Jagd, Viehzucht und Ackerbau. Eswaren große, kräftige Gestalten mit hellen blauen Augen und blonden oderrötlichen Haaren. Augustus beschloß, auch dieses Volk der Römerherrschaftzu unterwerfen, und sendete deshalb seinen Stiefsohn Drusus» mit einemgroßen Heere gegen dasselbe. Drusus unternahm vier Feldzüge nach Deutsch-land vom Jahre 12—9 vor Chr. und drang sogar bis zur Elbe vor;aber seine Züge waren keine Eroberungen. Die Deutschen wichen in ihreWälder zurück und ließen die Römer schalten bis in den Herbst; mußtendiese dann bei herannahendem Winter wegen des unwirtbaren Landes wiederüber den Rhein zurück, so griffen sie dieselben auf dem Rückzug an undbrachten ihnen große Verluste bei. Drusus starb auf seinem vierten Zugenach Deutschland im Jahre 9 vor Chr., wo er bis zur Mündung der SaaleindieElbe(KarteI.)vorgedrungen war. Nachihmsetzten seinBruderTiberiusund andere Feldherren diese Züge fort, und namentlich wußte Tiberius durchList und durch Anlegung von Standlagcrn loustra stativaj das Land zwischenRhein und Weser den Römern zu unterwerfen.

Im Herbste des Jahres 6 nach Chr. sandte Augustus den Varus alsLandpfleger in diese neue Provinz. Mit mehr als 50 000 Mann ging dieserüber den Rhein (bei Wesel') und zog an den Ufern der Lippe bis zu derenQuellvrte, dem Teutoburger Wald, überschritt diesen und kam an das linkeUfer der Weser (Kartei.), wo er im Lande der Cherusker» ein „stehendes Lager"schlagen ließ. Allda weilte er drei Jahre. Dahin kamen die deutschen Fürstenmit ihren Scharen zur Unterstützung der Römer oder um zu bitten oder zuklagen; in demselben war Markt, Tausch und Handel. Varus behandelte dieDeutschen wie ein unterjochtes Volk: er schrieb Abgaben und Lieferungen

* Nazar eth, Stadt im nördlichen Palästina (Galiläa!. — Bethlehem, Stadtzwei Stunden südlich von Jerusalem. — Wesel, Stadt in der jetzigen Rheinprovinz,an der Mündung der Lippe in den Rhein (Karte I.).

2 Drusus und Tiberius eroberten die Länder südlich von der Donau, vonderen Quelle bis zur Mündung (Karte 1.): die Provinzen Rhätien, vom Bodensee biszur Mündung des Jnn, Noriku m, vom Jnn bis zum Wienerwald, Pannonien,vom Wienerwald bis zur Sau, Mösien, von der Mündung der Sau bis zumSchwarzen Meer.

» Die Cherusker wohnten zwischen Weser und Elbe, nördlich vom Harz biszur Aller. Im Südwesten hatten sie auf dem linken Weseruser eine Strecke Land inne.Dort (nördlich vom heutigen Kassel) mag das Lager des Varus gewesen sein (Karte I.).

Geburt

Christi.

Deutsch-

land.

Drusus.

Tiberius.

Varus.