Band 
Erster Kursus.
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Alte Geschichte.

aus und sendete hierhin und dorthin Scharen, um sich Gehorsam zu erzwingen.Er saß zu Gericht und ließ die Streitigkeiten der Deutschen durch römischeSachwalter in lateinischer Sprache führen. Die Verurteilten wurden gegeißeltoder hingerichtet. Wie über Knechte schaltete Varus über die bis dahin freienDeutschen. Wohl zürnten die Unterworfenen über solchen Frevel, aber sie warenmachtlos gegen das wohlverschanzte Lager samt den kriegskundigen Legionen.

Endlich erschien den Ratlosen ein Retter in Hermann oder Atm in,dem Sohn Sigimers, des Cherusker-Fürsten. Er hatte früher, wie vieleDeutsche, römische Kriegsdienste genommen und war sogar mit Bürgerrechtund Ritterwürde belohnt worden. Er war auch jetzt als einer der Anführerder Hilfstruppen, welche die Cherusker zu stellen verpflichtet waren, im Lagerdes Varus, welcher ihn allen vorzog.

Hermann war damals, im Jahre 9 nach Chr-, ein junger Mann vonHermanns- 25 Jahren, stark an Kraft, klar an Verstand; an Bildung ein Römer, imWacht Herzen ein Deutscher. Er sah mit Ingrimm die Schmach seines Volkes undfaßte den Entschluß, dasselbe zu befreien. Ein Volksstamm an der Mün-dung der Weser, müde der Mißhandlung durch Fremde, erschlägt die Ein-dringlinge, und erschreckte Flüchtlinge melden dem sicheren Varus die uner-wartete Botschaft. Varus, schnell entschlossen, den Aufstand mit aller Machtzu unterdrücken, bricht im Spätsommer (9 nach Chr.) mit seinem ganzenHeer auf. Sein Weg ging abwärts an dem linken Ufer der Weser. —Als aber die deutschen Völker in der Nähe den Abzug des römischen Heeressahen, als die in der Ferne davon hörten, da trat der langverhaltene In-grimm zutage. Der Freiheitsruf ging von Stamm zu Stamm, der Rache-ruf von Gau zu Gau. Das ganze Volk erhob sich wie ein Mann, undvon allen Seiten kamen Scharen herbei, um das Vaterland zu befreien.

Inzwischen zogen die Römer langsam und sorglos ihres Weges. Siemerkten nur die Mühseligkeiten des Marsches: nirgends gebahnter Weg, über-all dichter Wald. Dazu kam heftig strömender Regen, schlüpfriger sumpfigerBoden, fürchterlicher Sturm. Da brachen die Deutschen aus den Wäldernhervor und griffen die ermatteten Römer an. Varus ließ ein Lager errich-ten, um das Heer von neuem zu ordnen. In der Nacht verbrannte er allesentbehrliche Gepäck, und am Morgen wendete er sich links, um über denTeutoburger Wald (Karte I.) nach der Lippe zu marschieren. Aber zwischenden Quellen der Lippe und der Ems geriet das Heer in die Engpässe undSchluchten des Gebirges. Abermals erschienen die Deutschen, an ihrer SpitzeHermann. Durch stete Angriffe wurden die Römer gedrängt, aufgehalten,geschwächt, durch Weg, Wind und Wetter ermüdet. Der Abend kam; nocheinmal schlugen die Römer ein Lager. Am folgenden Morgen brachen dieRömer auf, ohne Mut und ohne Hoffnung. Jetzt begann von allen Seitender geordnete Angriff der Deutschen. Es kam zur Schlacht. Mit Begei-sterung kämpften die Deutschen für das höchste Gut, die Freiheit, mit Ver-zweiflung stritten die Römer um das letzte Gut, das Leben. Varus verzagend,stürzte sich in sein Schwert; viele folgten seinem Beispiel. Zuletzt wurdedie Menge, durch Ermattung und Angst gleichgiltig gegen Leben und Tod,wie das Vieh hingeschlachtet; nur wenige entkamen. Drei und eine halbeLegion, jede zu mehr als 10 000 Mann, die stärksten und geübtesten, welcheRom hatte, waren vernichtet. — Die Gefangenen wurden in der Siegeswutvon den Deutschen in Gruben geworfen oder an Bäume geknüpft oder auf