Zweiter Abschnitt.
Mittlere Geschichte.
20. Deutschland: Die Sage von den Nibelungen.
I. Siegfried: Der Lindwurm und die Nibelungen.
I. Siegfried bei dem Waffenschmied. Der Kampf mit dem Lindwurm. Der HörneneSiegfried. Er schmiedet sich ein Schwert. 2. Siegfried bei den Nibelungen. Ergewinnt den Nibelungenhort und die Tarnkappe.
Zu Xanten * in den Niederlanden wohnte der mächtige König Siegmundmit seiner Gemahlin Siegelinde. Diesehatte einen Sohn, namens Sieg-fried, einen Knaben, reich an Mut und Schönheit, stark und kräftig an Körperund Geist. Da man ihn aber trotzdem wegen seiner Jugend an den Heerfahrtennicht teil nehmen ließ, faßte er den Entschluß, allein auf Abenteuer auszuziehen.
Eines Tages verließ er seines Vaters Burg und wanderte den Rheinentlang immer weiter. Endlich kam er an eine Hütte im Walde, aus welcherdas Klingen und Schlagen von Schmiedehämmern ertönte. Er nahm beidem Waffenschmied Dienste, schlug aber mit dem schweren Hammer so kräftgauf, daß der Amboß tief in die Erde fuhr. Da faßte den Meister einSchrecken, und er wäre den allzu starken Gast gern wieder los gewesen.
Am nächsten Morgen sandte er darum den jungen Gesellen in einHolz, Kohlen zu brennen, eigentlich aber, damit ihn ein dort hausenderLindwurm^ verschlinge. Siegfried tötete jedoch das Ungetüm, schleiftees nach dem schon bereiteten Kohlenmeiler und zündete die Scheite an.Am Feuer schmolz des Lindwurms Hornhaut, so daß sich Siegfried in demFett und Blut des Drachen baden und seine Haut hörnen, d. i. unver-wundbar machen konnte. Nur zwischen den Schultern war eine Stellefrei geblieben, weil während des Badens ein Lindenblatt dahin gefallenwar und das Eindringen des Drachenfettes verhindert hatte.
Am Abend kehrte Siegfried zur Schmiede zurück, erbrach, da man ihnnicht einließ, die Thür und erschlug den Meister. Hierauf schürte er dasFeuer an, schmiedete sich ein gutes Schwert und zog weiter.
2. Nach manchem Abenteuer betrat Siegfried das Land der Nibelungen^.Dort waren des verstorbenen Königs Söhne, Nibelung und Schilbung,über die Teilung des Schatzes, welchen der Vater hinterlassen, in Streit ge-raten. Dieser Hort oder Schatz, aus eitel Gold und Edelsteinen bestehend, lagin einer Berghöhle und wurde von dem furchtbaren Zwerg Alb eri ch bewacht.
Als Siegfried angekommen war, verlangten die Königssöhne, daß er den
> Xanten, Stadt, gehört jetzt zur Rheinprovinz, östlich von Wesel (S. 69Anm. I), unweit vom linken Rheinufer.
^ Lindwurm (vom altdeutschen lint, die Schlange), ein fabelhaftes, demDrachen ähnliches Ungeheuer von riesiger Größe.
s Nibelungen heißen eigentlich Leute vom Nebellande, d. i. der Unterwelt.Die Sage versetzt die Nibelungen in das heutige Norwegen.
Siegfried
m
Xanten.
Sein Aus-zug aufAbenteuer.
Der Lind-wurm.
Siegfrieds
Schwert.
Nibelungen.
Der Hort.