Band 
Erster Kursus.
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Alte Geschichte.

Attilaf 453.

Untergangvon West-rom476.

sam gewesen sein, die dem Attila teils gebracht, teils versprochen wurden.So entschloß er sich denn, einen Waffenstillstand einzugehen. Er verließItalien mit der Drohung, daß, wenn ihm die Prinzessin Honoria nebst einemköniglichen Brautschatze nicht ausgeliefert würde, er das Land noch härterheimsuchen werde. Hierauf zog er mit seinen Horden nach Ungarn zurück.

Doch das Schicksal wollte nicht, daß Attilas Drohung in Erfüllunggehen sollte. In dem folgenden Jahre (453) hielt der Hunnenkönig Hochzeitmit der schönen Hildegunde. Als am Tage nach der Hochzeit die Hofleuteund Krieger, ungeduldig ihren Herrn zu grüßen, in das Zelt drangen, fan-den sie Hildegunde verschleiert bei dem erstarrten Leichnam ihres Gemahlssitzen. Während der Nacht war er am Blutsturz gestorben. Groß war derSchrecken, allgemein die Trauer der Hunnen um den großen König. ImFreien ward ein seidenes Gezelt aufgeschlagen, unter welchem auf einemPrunkbette der königliche Leichnam zur Schau ausgestellt wurde. Die Edel-sten der Nation ritten Tag für Tag in feierlichem Gepränge um das Zelt.Sie schoren ihr Haar, zerfetzten ihren Leib und sangen Klagelieder. Dannlegten sie den Leichnam in einen goldenen Sarg, setzten diesen in einen sil-bernen und diesen wieder in einen eisernen, vergruben ihn des Nachts undtöteten alle Gefangenen, welche dabei geholfen hatten. Denn niemand solltewissen, wo Attilas Asche und seine Schätze vergraben lägen.

3. Nach Attilas Tode zerfiel das große hunnische Reich, welches sich vonder Wolga bis zum Rhein erstreckt hatte. Die Überreste der asiatischen Völkerwurden nach dem Schwarzen Meere zurückgedrängt, und die deutschenStämme, die bisher von den Hunnen abhängig gewesen waren, erhoben sichwieder zur Freiheit. Sie vollendeten nun das, woran der kriegerische An-drang der Völker seit länger als einem Jahrhunderte gearbeitet hatte, denSturz des weströmischen Reiches. Eine Provinz nach der andern war dem-selben von den Deutschen> bereits entrissen worden, und nur noch Italiengehorchte dem Kaiser durch die Hilfe deutscher Kriegsscharen. Unter diesenWaren auch die Rugier und Heruler'. Odoaker, einRugier, der sichdurch Einsicht und Kriegsmut zur Feldherrnwürde emporgeschwungen hatte,machte endlich mit kühner Hand dem abgelebten römischen Reich ein Endeim Jahre 476. Der letzte Kaiser war ein schwacher Knabe NomulusAu gustulus, durch seinen Namen an den ersten König und an den erstenKaiser des einst so mächtigen Römerreiches erinnernd. Odoaker entsetzteihn seiner Würde, schenkte ihm jedoch ein Schloß mit einem reichen Ein-kommen in Unteritalien; der deutsche Held aber nannte sich von nun an „Königvon Italien." So ward das römische Weltreich zertrümmert, nachdem esvon 753 vor Chr. bis 476 nach Chr. bestanden hatte.

Mit dem Untergang von Westrom im Jahre 476 schließt die AlteGeschichte.

> Die Franken, Burgunder und Westgoten hatten sich (S, 75 Anm. 1) Galliensund Spaniens, die Wandalen (S. 87 Anm. 1j Nordafrikas, die Angeln(S. 102 Anm. 2) und Sachsen (S. 78 Amn. 2) Britanniens bemächtigt. — DieRugier stammten von der Mündung der Oder, wo noch jetzt der Name der Insel„Rügen" an sie erinnert. — Die Heruler wohnten östlich davon bis zur Mün-dung der Weichsel (Karte I.).