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Mittlere Geschichte.
Brun-
hildens
Forderung.
Siegfried
und
Brunhildein Worms.
Streitder Frauen.
Das
entdeckte
Geheimnis.
Brunhilde
und
Hagen.
Das entdeckte Geheimnis. Brunhilde und Hagen. Die Kennzeichnung der verwund-baren Stelle an Siegfried. 2. Die Ahnung Kriemhildens. Die Jagd. Der Wett-lauf. Siegfrieds Tod. Hagen an Siegfrieds Leiche. Der Nibelungenhort gelangtnach Worms und wird von Hagen in den Rhein versenkt.
1. Nach Ablauf von zehn Jahren sprach einst Brunhilde, wie sieschon früher wiederholt gethan, zu ihrem Gemahl: „Woran liegt es, daßSiegfried so lange nicht nach Hofe gekommen ist, wie es sich doch für einenDienstmann ziemt?" Günther antwortete verlegen: „Die Verwandten wohnenzu fern; um so weite Fahrt wage ich nicht, sie anzusprechen." Aber Brun-hilde ließ nicht nach mit Bitten, bis eine Gesandtschaft abgeordnet ward,um Schwager und Schwester nach Worms einzuladen. Gern kamen dieGeladenen, sie brachten auch den König Siegmund (Siegelinde war in-dessen gestorben) und viele der Nibelungenhelden mit; den kleinen Güntheraber ließen sie zu Hause.
Zu Worms reihte sich nun Fest an Fest. Die Ritter turnierten täg-lich inr Burghof und beide Königinnen sahen, in Freundschaft vereint, zu.Einst rühmte Kriem Hilde ihren Gemahl, wie er vor allen hervorrage und' der Schönste und Tapferste sei. Brun Hilde blieb im Lobe Günthers nichtzurück. Aber ihre Schwägerin wußte immer neue Vorzüge Siegfrieds her-vorzuheben, worauf Brunhilde endlich erwiderte, daß er doch dem KönigGünther niemals gleich komme, weil er, wie er ihr am Jsenstein selbst gesagt,dessen Dienstmann sei. Kriemhilde bat, solche Reden zu lassen; ihre Brüderhätten sie keinem Dienstmann verlobt. „Ich lasse die Rede nicht", ent-gegnen Brunhilde, „dein Mann ist und bleibt uns Unterthan". „Nun",antwortete Kriemhilde, „so will ich dir noch heute Abend zur Vesper zeigen,daß ich keines Dienstmanns Weib, sondern eine Königin bin, wie du, indemich vor dir in die Kirche gehe." Im Zorn trennten sich die beiden Frauen.
Am Abend begaben sich die Königinnen reich geschmückt zur Kirche.Brunhilde erschien zuerst vor dem Münster und wartete auf Kriemhilde. Alsdiese anlangte, rief ihr Brunhilde zu, still zustehen! Empört erwidertKriem-hild: „Mußt du mich noch reizen und kannst du nicht schweigen, so will ichdir auch offenbaren, daß Siegfried dich bezwungen und gewonnen hat undnicht Günther!" Bei dieser Rede wird Brunhilde betroffen und sieht sichaußer Stande, den Vorantritt der Feindin zu hindern. Nach dem Gottes-dienst bleibt Brunhilde abermals am Dom stehen und verlangt von Kriem-hilde Beweise für das, was sie gesagt. Letztere kommt der Aufforderung nach.— Bmnhildens Stolz wird dadurch gebrochen: von Schmerz und Zornüberwältigt, rief sie ihren Gemahl herzu; auch Siegfried kam. Man be-sänftigte die Streitenden, so gut es anging und legte ihnen Schweigen auf.
Aber Brunhilde, die tief gekränkte, schweigt nicht: sie grämt sich,klagt und jammert. So findet sie der Recke Hagen und erfährt von ihrnoch genauer den Grund des Leides. Er weiß seine Herrin beleidigt, be-leidigt von einem Manne, der Mann muß sterben. — Hagen zog nochandere Burgunden mit in den Plan; selbst Günther ließ sich zur Teilnahmean der Verschwörung gegen seinen Schwager bewegen.
Zunächst galt es zu erfahren, wo die verwundbare Stelle an SiegfriedsKörper sei. Hagen ließ daher ein falsches Kriegsgerücht verbreiten, hoffend,Siegfried werde sich erbieten, die Heerfahrt mitzumachen. Als solches ge-schah, nahm Hagen zum Schein von Frau Kriemhild Abschied, wobei dieseihn bat, im Kampfgewühl auf Siegfried zu achten. Hagen sagte voll Tücke: