Band 
Erster Kursus.
Seite
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Die Sage von den Nibelungen.

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„O, Herrin, das will ich wohl: damit ich aber genau weiß, wie ich ihnzu schützen habe, so nähet mir in sein Gewand auf jener Stelle, wo dasLindenblatt hingefallen war, ein Kreuzchen ein." — Am andern Morgenträgt Siegfried wirklich das Zeichen. Nun ist der Feldzug nicht mehr vonnöten, statt in den Krieg soll zu einer Jagd in den Wasgenwald (Oden-wald) gezogen werden.

2. Kriemhilde suchte mit Thränen ihren Gemahl von der Jagdzurückzuhalten, besonders da sie in der Nacht durch schlimme Träume er-schreckt worden. Sie hatte den Gatten, von zwei wütenden Ebern verfolgt,über eine Heide voll blutroter Blumen jagen und ihn unter den Trüm-mern zweier über ihn fallenden Berge verschwinden sehen. In dem arg-losen Herzen Siegfrieds aber fand kein Verdacht gegen seine VerwandtenRaum und wohlgemut ritt er zum Weidwerk.

Die Jagd war vollendet und das Hifthorn des Königs von Burgundrief die Helden zum Mahle. Speisen gab es vollauf, an Getränk aber warMangel. Hagen gab vor, die Lasttiere mit dem Weine wären aus Irrtumnach einem anderen Teil des Waldes gesandt worden. „Aber" — sprach erweiter — „er wisse in der Nähe einen guten Quell: dorthin schlage er einenWettlauf vor: dabei könne der schnelle Siegfried gleich seine Behendigkeitzeigen." Siegfried ging darauf ein und versprach, mit seinen Waffen zulaufen: Günther und Hagen könnten es im leichten Gewände thun. Ererreichte das Ziel zuerst, wartete aber bescheiden, bis Günther heran ge-kommen war und getrunken hatte, dann bückte er sich zur Quelle nieder. Jetztergriff Hagen Siegfrieds scharfen Speer und schleuderte ihn an der bezeichnetenStelle tief in des Helden Rücken. Siegfried sprang auf und warf seinenSchild nach Hagen, daß letzterer zu Boden stürzte. „O ihr feigen Mörder",rief der sterbende Held, „diese That wird euch ewige Schande bringen!"Man hob die Leiche auf und trug sie auf einem Schilde zurück. Kriemhildensollte gesagt werden, daß ihr Gemahl von Räubern erschlagen worden sei;aber der grimme Hagen rühmte sich öffentlich der That. Er ließ den Er-mordeten in der Nacht vor Kriemhildens Thürschwelle legen, daß sie ihn amandern Morgen, wenn sie zur Messe gehen wollte, finden mußte.

Siegfrieds Mannen wollten am andern Morgen einen Angriff aufdie Burgunden machen, aber Kriemhilde hielt sie zurück; denn ihrer warenzu wenige, und die Zeit der Rache war noch nicht gekommen.

Der tote Siegfried wurde im Dom ausgestellt, Kriemhilde wartetedes Bahrrechts' und als Hagen an den Leichnam herantrat, singen dieWunden wieder zu bluten an. — Der König Siegmund zog betrübt nachTanten: Kriemhilde aber blieb da, wo ihr Siegfried bestattet wordenwar. Drei Jahre lang würdigte sie Günthern keines Wortes, Hagenkeines Blickes.

Zur Versöhnung der Schwester ließen die Brüder den Nibelungen-hort nach Worms bringen und in Gewölben und Thürmen aufbewahren.Nun teilte die trauernde Witwe freigebig davon an die Armen und besondersan bedürftige Krieger aus. Da ward Hagen mißtrauisch und sprach zu König

i Das Bahrrecht war im Mittelalter eine Art Gottesurteil zur Entdeckung desMörders, indem man glaubte, daß, wenn letzterer an den Leichnam trete, die Wun-den wieder zu bluten anfingen.

Spieß u. B e r l kt , Weltgeschichte I. > 3. Auflage.

Die ver-wundbareStelle anSiegfried.

Ahnung

Kriem-

hildens.

Die Jagd.

Der

Wettlauf.

Siegfrieds

Tod.

Hagen anSiegfriedsLeiche.

Der

Nibelun-genhort inWorms.

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